Donald Trump auf einer Parteiveranstaltung | AFP

Wahlkampf in den USA Trumps Kriegskasse ist gut gefüllt

Stand: 15.08.2021 04:07 Uhr

Noch ist unklar, ob Ex-US-Präsident Trump ein weiteres Mal antreten wird. Doch die strategischen Vorbereitungen für ein Comeback laufen - und die Spendenbereitschaft für ihn ist hoch.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Als Geschäftsmann kennt sich Donald Trump mit Zahlen aus. Entsprechend dürfte er berauschend finden, was da aktuell für ihn beziffert wird. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov gaben 82 Prozent aller Republikaner an, eine hohe Meinung von Trump zu haben - knapp zwei Drittel, 62 Prozent, sprachen von einer sehr hohen Meinung.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Das spiegelt sich auch in ihrer Spendenbereitschaft: In Trumps Kriegskasse haben sich rekordverdächtige 100 Millionen Dollar angesammelt. Geld, das Trump gezielt einsetzt, um loyale Parteifreunde in den laufenden Vorwahlkämpfen zu unterstützen.

Das jüngste Beispiel: In Ohio setzte sich ein extrem Trump-naher Quereinsteiger, Mike Carey, gegen zehn andere republikanische Kandidaten durch. Von Trump zur Wahl empfohlen und finanziert, tritt er nun kommendes Jahr bei den Midterm-Parlamentswahlen an.

Er habe Trump unterstützt, als der dem politischen Establishment den Kampf angesagt hat, so Carey, ein Kohle-Lobbyist ohne politische Vorerfahrung, in einem Wahlkampfspot. Aus Trumps Kriegskasse hatte er 350.000 Dollar erhalten.

Mike Carey bei einer Wahlkampfveranstaltung | AFP

Eine Win-Win-Situation: Carey unterstützt Trump - und Trump unterstützt Carey. Bild: AFP

Die Mär von der gestohlenen Wahl zieht

Der Ex-Präsident verfolgt ein langfristiges und ein kurzfristiges Ziel: im kommenden Jahr die Mehrheitsverhältnisse im Kongress zugunsten der Republikaner kippen, mithilfe von Trump-Gefolgsleuten. Und zuvor denjenigen in der Partei den Rücken stärken, die den Mythos von der angeblich gestohlenen Wahl verbreiten - landauf, landab.

Trump selber ist seit Wochen wieder auf Tour: Bei öffentlichen Auftritten, die seinen Wahlkampfveranstaltungen auf's Haar gleichen, lässt er sich feiern und bejubeln. Und verbreitet die Mär, er sei der eigentliche Wahlsieger.

"Wir haben die Präsidentenwahl zweimal gewonnen, 2016 und 2020", versichert Trump seinen Anhängern, "und wir werden sie womöglich ein drittes Mal gewinnen, 2024!" - "Trump hat gewonnen, Trump hat gewonnen...", skandiert die Menge. Wo immer Trump auftritt und Zehntausende anzieht, wird seine durch nichts belegte Wahllüge geglaubt.

Wer den Mythos weiterverbreitet, wird gefördert

Den Mythos vom Wahlsieger Trump verbreiten inzwischen landesweit verblüffend viele Kandidaten. Was sich lohnt, denn sie lassen sich aus Trumps Kriegskasse finanzieren. Der Journalist Jonathan Karl, der mehrere Bücher über Trumps Regierungszeit verfasst hat, staunt darüber, wie der Abgewählte Spenden zu sammeln und geschickt einzusetzen versteht.

"Die Summen sind atemberaubend", staunt Karl, "für einen abgewählten Präsidenten, der noch dazu unter so dramatischen Umständen aus dem Amt geschieden ist." Für den Journalisten steht so gut wie fest, dass Trump 2024 wieder antreten will.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. Juni 2021 um 07:11 Uhr.