Gustavo Petro im Wahllokal | AP

Präsidentenwahl in Kolumbien Linker Petro gewinnt Präsidentenwahl

Stand: 20.06.2022 01:30 Uhr

Mit Gustavo Petro wird zum ersten Mal ein linksgerichteter Politiker Präsident von Kolumbien. In einer Stichwahl setzte er sich knapp gegen den Unternehmer Hernandez durch.

Bei der Stichwahl um das höchste Staatsamt in Kolumbien hat sich der einstige Guerillero Gustavo Petro knapp durchgesetzt. Auf den linken Politiker entfielen 50,6 Prozent der Stimmen, auf Immobilienunternehmer Rodolfo Hernández 47,2 Prozent der Stimmen, wie die Wahlbehörden mitteilten. Das offizielle Resultat wird in einigen Tagen erwartet.

Der 62 Jahre alte Petro steht nach seinem nunmehr dritten Anlauf auf das Präsidentenamt davor, eine neue politische Ära in Kolumbien einzuläuten. Seit langer Zeit wird das südamerikanische Land entweder von Konservativen oder Gemäßigten regiert, während die politische Linke wegen deren vermuteter Nähe zum bewaffneten Konflikt der Farc bisher gemieden wurde.

Tiefgreifende Wirtschaftsreformen

Petro gehörte einst der inzwischen aufgelösten Guerilla-Bewegung M-19 an. Nach einer Inhaftierung wegen seiner Mitgliedschaft in der Gruppe wurde ihm eine Amnestie gewährt. Petro hat im Wahlkampf tief gehende Wirtschaftsreformen versprochen, zu denen Änderungen am Steuerrecht gehören sollen. Zugesagt hat er auch eine Neuausrichtung im Kampf gegen Drogenkartelle und bewaffnete Gruppen in Kolumbien.    

Petro und Hernández hatten sich im ersten Wahlgang am 29. Mai gegen vier Mitbewerber durchgesetzt. Der bisherige Präsident Iván Duque durfte nicht wieder antreten. Im Wahlkampf waren der weit verbreitete Unmut über die wachsende Ungleichheit, Inflation und Gewalt ein Thema - alles Faktoren, die wohl in der ersten Wahlrunde zu einer Abkehr vom politischen Establishment geführt hatten.   

Ausgezeichnete Vizepräsidentin

An Petros Seite wird mit der designierten Vizepräsidentin Francia Márquez eine afro-kolumbianische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin mit an die Staatsspitze rücken. Sie kämpfte in der von der Gewalt besonders betroffenen Region Cauca gegen illegale Goldsuche und wurde mehrmals bedroht. 2018 erhielt sie für ihren Kampf den renommierten Goldman-Preis.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juni 2022 um 06:28 Uhr.