Tote Ratte beim New-York-Marathon | AFP

Plage in Corona-Zeiten In New York sind die Ratten los

Stand: 01.12.2021 10:21 Uhr

Ratten gehören schon immer zu New York - inzwischen nimmt die Plage jedoch überhand. Die Stadt bekommt die Schädlingsinvasion nicht in den Griff. Bewohner gehen nun selbst auf die Jagd.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Freitagnacht ist Rattenjagd-Nacht. Richard Reynolds und sein Terrier Rommel sind an der Spitze: Fünf Männer und Frauen der Nachbarschafts-Facebook-Gruppe "Rats". Zusammen mit fünf Terriern und einem Dackel sind auf der Pirsch durchs Revier: Die Blocks der Lower East Side.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

"Diese Nacht ist das Wetter gut. Wir nutzen die Chance", sagt Reynolds. Rommel nutzt sie. Als die Männer an den Tonnen ruckeln, rennen zwei Ratten daraus hervor. Eine schafft es nicht. Acht werden es an diesem Abend insgesamt.

Deutlich mehr "Ratten-Notrufe"

Notwehr, sagen die "Rats". Denn hier im Südosten von Manhattan leiden sie besonders unter den Nagern, die gerade Big Apple übernehmen. Die Ratten sind los - warnen Medien, bestätigen Experten, und die Anrufe der städtischen Hotline sprechen Bände: Mehr als 21.000 Mal schlugen New Yorker in diesem Jahr schon Rattenalarm über die Notrufnummer der Stadtreinigung, 6000 mehr als noch vor zwei Jahren.

Corona hat Mitschuld

Zu New York haben die Nager schon immer gehört. Biologen unterscheiden sogar Uptown- von Downtown-Ratten. Doch seit Corona läuft einfach alles quer, sagt Rattenfänger Reynolds: "Sie reagieren auf Essen, Unterkunft, Wasser - wenn diese drei Dinge woanders hingehen, ziehen auch die Ratten um."

Und genau das ist passiert. Als zu Beginn der Pandemie die Restaurants geschlossen wurden, landeten viele Ratten auf der Straße. Sie verließen Keller und Kanalisation, um ihr Dinner in den vielen provisorisch gebauten Außenrestaurants zu suchen. Dann wurde auch noch das Budget der städtischen Abfallbetriebe gekappt.

Seitdem stapeln sich mehr Mülltüten auf den Gehsteigen. Ein Festessen für Ratten, sagt auch Kammerjäger John Dewey, Chef von Pest Pros New York City. "Wir sehen viel mehr Aktivität. Es ist mehr Müll auf den Straßen, mehr Außengastronomie, mehr Essen, mehr Schrott.

Klodeckel besser zu!

Der "Exterminator" legt Klebefallen vor einem Eingang auf Manhattans Upper West Side aus. In den alten Brownstone-Häusern am Central Park hat er Hochkonjunktur. Ratten auf Tischen, unter Betten, in den Fluren. Dewey tut, was er kann - "aber die Leute müssten auch mitmachen". Wenn sie verreisen, rät Dewey ihnen: Lasst den Klodeckel unten.

"Ratten sind exzellente Schwimmer, sie können durch die Abflussnetze hoch durch die Toiletten kommen", warnt Dewey. "Wir hatten schon viele Fälle, wo Leute uns gerufen haben, weil Ratten aus der Toilette in ihr Apartment gekommen sind."

Neuer Bürgermeister verspricht Abhilfe

Das Zentrum für Seuchenkontrolle warnt: Die Pandemie könnte die Ratten auch aggressiver machen. Doch Belege dafür gibt es nicht. Der künftige Bürgermeister Eric Adams stöhnt: "Diese Rattenseuche nimmt langsam überhand."

Schon vor seinem Amtsantritt hat Adams versprochen, die Stadt mit neuen Fallen zu überziehen. Er habe sie schon getestet. Exterminator Dewey setzt derweil auf sein Hausrezept: "Wir probieren es mit Erdnussbutter, Schokolade, alles Mögliche. Ich kann das nicht verraten, sonst ruft uns ja keiner mehr."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Dezember 2021 um 11:30 Uhr.