Colin Powell | AP
Nachruf

Trauer um Colin Powell Der amerikanische Traum - mit einem Makel

Stand: 18.10.2021 18:57 Uhr

Aus der Bronx bis an die Spitze des US-Außenministeriums: Das Leben von Colin Powell war eine US-Erfolgsgeschichte. Seine Rede über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak gehört aber auch zu seinem Vermächtnis.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

"Wir haben einen bemerkenswerten und liebevollen Ehemann, Vater, Großvater und einen großartigen Amerikaner verloren", schrieb Colin Powells Familie auf Facebook. Der 84-Jährige starb an einer Corona-Erkrankung, obwohl er vollständig geimpft war.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Powell geht in die Geschichte ein als erster schwarzer Außenminister der USA und als erster schwarzer Generalstabschef. Seine Überzeugung war, Konflikte in der Welt möglichst durch Verhandlungen und Diplomatie zu lösen.

Aus der Bronx zum Außenminister

Powells Leben war eine amerikanische Erfolgsgeschichte. Er wuchs in der South Bronx, New York auf. Seine Eltern waren jamaikanische Einwanderer. Er kämpfte als Soldat in Vietnam, durchlief eine glänzende Militärkarriere und wurde 1987 erst nationaler Sicherheitsberater unter Ex-Präsident Ronald Reagan, zwei Jahre später dann Generalstabschef der US-Streitkräfte. Während dieser Zeit überwachte er nicht nur die US-Invasion in Panama, sondern auch die Invasion in Kuwait.

Später spielte der Republikaner selbst mit dem Gedanken, als US-Präsident zu kandidieren. Doch seine Frau Alma war dagegen. 2001 wurde er schließlich ins Kabinett von George W. Bush berufen - als 65. Außenminister der USA. 

Falsche Aussagen über Massenvernichtungswaffen

Sein guter Ruf wurde später durch einen Auftritt vor dem UN-Sicherheitsrat beschädigt. Um den Einmarsch der USA im Irak zu rechtfertigen, präsentierte Powell angebliche Belege für Massenvernichtungswaffen, die der Irak gar nicht besaß. Saddam Hussein und sein Regime würden ihre Bemühungen, Massenvernichtungswaffen zu produzieren, verbergen, sagte Powell damals. Der Vorwurf stellte sich später als falsch heraus und Powell bedauerte seine Äußerungen. 

Innerhalb der republikanischen Partei galt Powell als gemäßigt. Er überraschte seine Parteikollegen, als er 2008 Barack Obama als Präsidentschaftskandidaten unterstützte. Obama habe sich nicht als afroamerikanischer Präsident eingebracht, sondern als Amerikaner, der zufällig schwarz ist, sagte Powell damals.

Scharfe Kritik an Ex-Präsident Trump

Zuletzt galt er als entschiedener Kritiker von Ex-Präsident Trump. Vor der Präsidentenwahl 2020 erklärte Powell öffentlich, er werde seine Stimme dem Demokraten Joe Biden geben. "Wir können Präsident Trump in keiner Weise mehr unterstützen. Ich bin sehr nah dran an Joe Biden - in sozialen und politischen Dingen", erklärte er. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar brach Powell endgültig mit den Republikanern. 

Der frühere Präsident George W. Bush und seine Frau Laura erklärten, Powell habe dem Land herausragend gedient. Viele Präsidenten hätten seinem Rat vertraut.

Über dieses Thema berichtete am 18. Oktober 2021 Inforadio um 15:22 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.