Die Skyline von New York City | dpa

Bürgermeisterwahl Viele Bewerber für New Yorks Spitze

Stand: 31.05.2021 05:00 Uhr

Gleich 15 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich auf das Bürgermeisteramt in New York. Wer sich durchsetzt, kommt wahrscheinlich aus den Reihen der Demokraten - und übernimmt eine Stadt mit vielen Problemen.

Von Christiane Meier, ARD-Studio New York

Wer wird New York aus der Corona-Krise führen, und vor allem wohin genau soll die Reise gehen? Das werden vermutlich die demokratischen Bewerber unter sich ausmachen, denn Republikaner haben in New York City kaum eine Chance - und der amtierende "Mayor" Bill de Blasio darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten. Deshalb gilt die demokratische Vorwahl am 22. Juni, also lange vor der Bürgermeisterwahl, als entscheidend.

Christiane Meier ARD-Hauptstadtstudio

Ganze 15 Kandidatinnen und Kandidaten fühlten sich berufen, anzutreten - und noch immer ist das Feld nicht geklärt. Die Kassen der Bewerber sind gut gefüllt, reiche Unternehmer und Geschäftsleute halten ihre Kandidaten über Wasser, die Gewerkschaften ebenso. Und sogar die "New York Times" glaubt, Farbe bekennen zu müssen und spricht sich für eine Kandidatin aus.

Metropole mit drängenden Problemen

Für New York geht es um alles. Die Stadt ist von den Folgen der Pandemie noch immer schwer traumatisiert, und auch wenn mit den hohen Impfquoten das Leben scheinbar mit Macht zurückkommt, ist die wirtschaftliche Lage immer noch ein Desaster. Wer also schafft neue Jobs? Wer setzt die Forderungen der Bewegung "Black Lives Matter" (BLM) um? Und wer erweckt die Bürotürme wieder zum Leben, nachdem viele Firmen zunehmend auf Home Office setzen?

Auf der Suche nach Charisma und Programm

Da wäre Eric Adams, schwarzer Stadtteilchef von Brooklyn, der durch BLM enorm an Profil gewinnen konnte. Der ehemalige Polizist wollte einst die Polizei von innen reformieren, so sagt er jedenfalls, jetzt will er es lieber von oben tun. Den Slogan "defund the police" - "entzieht der Polizei die Finanzmittel", die auf den BLM-Kundgebungen immer wieder erhoben wurde, macht er sich aber nicht zu eigen. Er gilt als eher konservativer Demokrat, die Linke ist folglich nicht sehr glücklich mit ihm. Auch sein Charisma hält sich in Grenzen, aber dennoch wird dem 60-Jährigen der Sieg zugetraut.

Eric Adams während eines Wahlkampftermins in New York | AFP

Bringt seine Erfahrungen in der Stadt und in der Polizei in den Wahlkampf ein: Eric Adams Bild: AFP

Noch vor ihm in den Umfragen liegt Andrew Yang, Sohn taiwanesischer Immigranten. Als seine Partei vor der jüngsten Präsidentschaftswahl einen Kandidaten suchte, war er der beliebte Underdog, bekam kurzzeitig große Aufmerksamkeit. Wofür der jüngste Bewerber inhaltlich steht, ist nicht sofort ersichtlich - er gibt sich linksliberal und will mit frischen Ideen die Stadt nach vorne bringen. Im Präsidentschaftswahlkampf fiel er vor allem mit seinem Einsatz für ein allgemeines Grundeinkommen auf. Davon hat er sich inzwischen wieder verabschiedet.

Noch schlimmer: Einer seiner Wahlkampfmanager landete einen peinlichen Versprecher - oder war es doch die Wahrheit? Er sagte über Andrew Yang, dieser sei ein leeres Gefäß, deshalb könne man ihn gut mit Ideen füttern. Yangs Stern scheint derzeit etwas zu sinken, aber noch ist das Rennen völlig offen.

Andrew Yang inmitten von Unterstützern bei einem Wahlkampfauftritt in New York | REUTERS

Andrew Yang verfügt als ehemaliger Präsidentschaftsbewerber über überregionale Bekanntheit - wofür er steht, ist nicht jedem klar. Bild: REUTERS

Eine Macherin im Aufwind

Nummer drei und derzeit in einigen Umfragen sogar Nummer eins ist Kathryn Garcia, die einst unter dem derzeitigen Bürgermeister Bill de Blasio New Yorks Müllberge wegorganisieren musste. Eine Macherin, die sich in den Tiefen und Untiefen der Administration bestens auskennt und während der Corona-Krise zudem die Verteilung von Mahlzeiten an bedürftige New Yorker organisierte.

Durch revolutionäre Ideen ist sie nicht aufgefallen, aber sie kennt die Stadt wie kaum jemand. Überraschend hat sie das "endorsement", also die Unterstützung der "New York Times" und der "New York Post" bekommen - das verlieh ihrer Kampagne zusätzlichen Schub.

Kathryn Garcia während eines Wahlkampfauftritts in New York | AFP

Kathryn Garcia hat das Momentum auf ihrer Seite - nicht zuletzt wegen der Unterstützung wichtiger Medienhäuser der Stadt. Bild: AFP

Dahinter liegt derzeit Scott M. Stringer, als Rechnungsprüfer der Stadt ein klassischer Insider, der von einigen Progressiven unterstützt wurde, bis ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden. Seither ist sein Rückhalt geringer, auch wenn die Anschuldigungen nicht bewiesen sind.

Weitere, ebenfalls als linke Kandidatinnen eingestufte Bewerber sind die TV-Kommentatorin Maya Wiley und Dianne Morales - beide Kandidaturen gelten derzeit als wenig aussichtsreich.

Viele Bewerber, viel Bewegung

Fünfzehn Bewerber für einen Job: Da braucht man vielleicht in der 8,5-Millionen-Stadt nur wenige Hunderttausend Stimmen. Auch deshalb ist das Rennen nicht gelaufen. In den letzten vier Wochen vor der Wahl wird nochmal richtig aufgedreht.

Auch den vermeintlichen "Frontrunnern" wird mittlerweile mulmig, denn die Umfragen sind unübersichtlich und ungenau, ein klarer Favorit ist nicht zu erkennen. Einer der Gründe dafür ist das neue Wahlsystem bei den Demokraten: Denn in New York dürfen die Wähler künftig eine Reihenfolge der Kandidaten festlegen - bis zu fünf Bewerber dürfen abgestuft eine Stimme bekommen.

Ein Auszählungsmarathon soll durch eine neue Software verhindert werden, dennoch könnte es eine Woche dauern, bis das Ergebnis vorliegt. Wer bei den Demokraten gewinnt, wird im demokratischen New York dann mit größter Wahrscheinlichkeit Bürgermeister.