Erdbebenschäden in Haiti

Hunderte Tote in Haiti Im Krisenstaat bebt erneut die Erde

Stand: 14.08.2021 22:04 Uhr

Ein armes Land in einer Art Dauerkrise war Haiti sowieso schon - jetzt ist es erneut von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Laut Zivilschutz gab es mindestens 227 Tote - die Zahl dürfte aber noch deutlich steigen.

Von Anna Hanke, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Auf zahlreichen Handyvideos ist zu sehen, wie die Menschen in Panik auf die Straßen laufen, unzählige eingestürzte Gebäude sind zu erkennen. Das Epizentrum des Bebens lag zwölf Kilometer vor der Gemeinde Saint-Luis-du-Sud, vor allem die südliche Halbinsel von Haiti war von dem Beben betroffen.

Annalisa Lombardo arbeitet für die Welthungerhilfe in Haiti. Sie lebt in der Hauptstadt Port-au-Prince, auch da habe sie das Beben gespürt. Die Stöße seien sehr stark gewesen, berichtet sie, sie seien im ganzen Land zu spüren gewesen. In Port-au-Prince hätten auch einige Gebäude gewackelt.

Ausmaß noch unklar

Auf einem Video ist zu sehen, wie Helfer zwei Kinder aus einem verschütteten Haus ziehen. Die Behörden von Haiti sprechen bislang davon, dass es Tote, Verletzte und Schäden in mehreren Teilen des Landes gegeben hat.

Das genaue Ausmaß ist noch nicht zu erkennen. Rettungskräfte sprechen von einer schwierigen Kommunikation mit den betroffenen Regionen.

Die Welthungerhilfe, für die Lombardo arbeitet, ist vor allem im Norden des Landes aktiv, doch mehrere Hilfsorganisationen haben sich schon zusammengeschaltet, um zu koordinieren, welche Hilfe jetzt als erstes notwendig ist. Lombardo sagt, man sei in Kontakt, um ein besseres Verständnis der Lage zu bekommen: welche Auswirkungen das Beben gehabt hat, wie viele Menschen betroffen sind. "Normalerweise werden in den ersten 24 bis 72 Stunden Wasser, Schutz und Nahrung gebraucht, man muss sicherstellen, dass die Menschen, die ihr Haus verloren haben, würdig untergebracht werden", sagt sie.

Die Karte zeigt Haiti mit Saint-Louis-du-Sud und dem Epizentrum des Erdbebens

Kaum staatliche Strukturen

In Haiti gibt es kaum funktionierende staatliche Strukturen, um schnelle erste Hilfe zu leisten. Der arme Karibikstaat ist in einer schweren politischen Krise. Am 7. Juli war Präsident Jovenel Moise ermordet worden, das Land wird von einer Übergangsregierung geführt. Kriminelle Banden sorgen zusätzlich für ein Klima der Unsicherheit. Die schwierige politische Situation könnte auch die Arbeit von Helfern gefährden.

Haiti wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Im Januar 2010 waren bei einem Erdbeben mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen. Im Zentrum des Bebens lag damals die dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. 1,5 Millionen Menschen hatten bei dem Beben ihr Obdach verloren. Im Jahr 2016 tötete ein Hurrikan Hunderte Menschen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. August 2021 um 20:00 Uhr.