Eine Vogelperspektive auf einen Straßenzug in Orlando, Florida: Autos stehen im Hochwasser, nachdem der Hurrikan Ian über den Bundesstaat gezogen ist. | AFP

US-Bundesstaat Florida Mehrere Tote durch Hurrikan befürchtet

Stand: 30.09.2022 05:32 Uhr

Millionen Menschen in Florida sind noch ohne Strom, viele von Wassermassen eingeschlossen. Hurrikan "Ian" könnte der tödlichste Sturm in der Geschichte des Bundesstaates sein, sagte US-Präsident Biden. Inzwischen ist er in Richtung Norden weitergezogen.

US-Präsident Joe Biden hat Hurrikan "Ian" als einen der tödlichsten Stürme in der Geschichte des Bundesstaates Florida bezeichnet. "Die Zahlen sind noch unklar, aber wir hören erste Berichte über einen möglicherweise erheblichen Verlust an Menschenleben", sagte Biden bei einem Besuch der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA.

Noch halten sich die Behörden mit Zahlen über Tote und Verletzte zurück. Der Fernsehsender CNN nannte am Donnerstagabend die Zahl von mindestens 17 Toten in Florida und bezog sich dabei auf Angaben verschiedener Landkreise. Offiziell bestätigt wurde diese Zahl nicht.

Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis machte deutlich, dass er am Ende ebenfalls mit hohen Opferzahlen rechnet. Er warnte, die Situation sei nach wie vor gefährlich. "Wir erleben weiterhin tödliche Regenfälle, katastrophale Sturmfluten, überflutete Straßen und Häuser", sagte er. "Wir haben noch nie solche Überschwemmungen erlebt, wir haben noch nie eine Sturmflut diesen Ausmaßes gesehen", so DeSantis bei einer Pressekonferenz.

Mehr als 2,3 Millionen Menschen ohne Strom

Der Hurrikan war am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde über die Golfküste Floridas hinweggefegt und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Boote wurden an Land gespült, Häuser wurden mitgerissen und sintflutartige Regenfälle sorgten für Überschwemmungen.

Der Sturm legte die Stromversorgung für mehr als 2,6 Millionen Haushalte lahm. Nach offiziellen Angaben sind nach wie vor mehr als 2,3 Millionen Menschen ohne Strom. "Ian" gilt bereits jetzt als einer der stärksten Stürme, die jemals das Festland der USA erreicht hat.

Die Rettungsmaßnahmen laufen auf Hochtouren

Die Behörden warnten vor bleibenden Gefahren in weiterhin überfluteten Gebieten, etwa durch elektrische Kurzschlüsse, Schadstoffe in der Kanalisation oder auch Alligatoren. Zahlreiche Bewohner waren trotz Aufforderung zur Evakuierung in ihren Häusern geblieben.

Rettungskräfte suchen nun nach Menschen, die in ihren überfluteten Häusern eingeschlossenen sind. Laut DeSantis, sind deswegen unter anderem 28 Hubschrauber im Einsatz. Außerdem wurden mehr als 175 Notunterkünfte eingerichtet. In mehr als 700 Fällen seien in Not geratene Menschen gerettet worden, so der Gouverneur.

An der Insel Sanibel Island wurde die Brücke zerstört, die sie mit dem Festland verbindet. Auf Hubschrauber-Aufnahmen waren brennende Häuser zwischen überfluteten Straßen zu sehen oder Grundstücke, von denen die Gebäude komplett weggeschwemmt wurden. In Fort Meyer landeten schwere Betonblöcke von einem Pier zwischen Wohnhäusern.

Ausmaß der Schäden ist noch unklar

FEMA-Leiterin Deanne Criswell sagte: "Hurrikan 'Ian' wird ein Sturm sein, über den wir noch jahrzehntelang sprechen werden." Die nächsten Tage würden schwierig, es gebe viele komplexe Probleme zu lösen bei den Einsätzen im Sturmgebiet. Es gebe noch keine genaue Einschätzung zu den Schäden. "Aber es wird katastrophal sein." Ihre Behörde stelle sich darauf ein, dass Tausende Familien nicht in ihre Häuser zurückkehren könnten und vorübergehend eine Bleibe bräuchten.

Carmine Marceno, der Sheriff von Lee County, eine der am schwersten betroffenen Regionen an der Südwestküste Floridas, sagte dem Fernsehsender CNN, über Nacht seien in dem Bezirk Tausende Notrufe eingegangen. Manche Gebiete seien bislang aber noch nicht zugänglich für Rettungskräfte. "Wir wurden sehr, sehr hart getroffen."

Wirbelsturm "Ian" gewinnt wieder an Stärke

Inzwischen ist der Wirbelsturm in Richtung Norden weitergezogen. Auf seinem Weg von Florida nach South Carolina hat er über dem Atlantik erneut an Kraft gewonnnen. Mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde wurde "Ian" auf dem Weg in Richtung der Küste des Bundesstaats South Carolina wieder zu einem Hurrikan der Stufe eins von fünf, wie das US-Hurrikanzentrummitteilte. Zuvor war er zwischenzeitlich zu einem Tropensturm zurückgestuft worden. Auch in den Bundesstaaten North Carolina und Georgia warnte das US-Hurrikanzentrum vor gefährlichen Sturmfluten.

Mit Informationen von Ralf Borchard, ARD-Studio Washington