US-General McKenzie präsentiert die Bilder zur Tötung von IS-Chef al-Bagdadi | Bildquelle: AP

Tötung von al-Bagdadi Pentagon veröffentlicht Einsatzbilder

Stand: 31.10.2019 08:27 Uhr

Detailreich informierte US-Präsident Trump über den Tod von IS-Chef al-Bagdadi - inklusive Details zu dessen emotionalem Zustand in den letzten Minuten. Nun hat das Pentagon erstmals Fotos und Videos vom Einsatz veröffentlicht.

Nach dem Tod des Anführers der Terrormiliz "Islamischer Staat", Abu Bakr al-Bagdadi, hat das Pentagon erstmals Details zu dem heiklen Einsatz im Nordwesten Syriens genannt. Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte Fotos und Videos von der Operation gegen den IS-Chef. Zugleich warnte es vor möglichen "Vergeltungsangriffen" durch Extremisten, für die die USA aber gewappnet seien.

Der nächtliche Einsatz der US-Spezialeinheiten startete am Samstag von einem unbekannten Ort in Syrien aus, wie der Kommandeur der US-Streitkräfte im Nahen Osten, General Kenneth McKenzie, mitteilte. Die Soldaten seien gut eine Stunde lang mit Helikoptern zum Unterschlupf al-Bagdadis in der Provinz Idlib geflogen.

Luftaufnahme von dem Gehöft, in dem sich al-Bagdadi aufgehalten haben soll. | Bildquelle: DVIDS HANDOUT/EPA-EFE/REX
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In einer Sequenz des Videos ist zu sehen, wie aus Hubschraubern auf ein Gehöft geschossen wird, in dem sich Bagdadi versteckt hatte.

Zwei Kinder getötet

Die Videos sind schwarz-weiß und zeigen US-Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Kämpfer, die wiederum auf die herannahenden Hubschrauber mit den US-Spezialkräften an Bord feuern. In einem anderen Clip ist zu sehen, wie Soldaten der Sondereinheit Delta Force sich den Mauern des Gehöfts nähern, in dem sich der IS-Anführer und seine Gefolgsleute verschanzt haben.

Al-Bagdadi flüchtete in einen unterirdischen Tunnel, wo er eine Sprengstoffweste zur Detonation brachte, wie McKenzie berichtete. Dabei habe der IS-Anführer zwei Kinder mit in den Tod gerissen - also ein Kind weniger als zunächst angegeben. Elf weitere Kinder seien unversehrt vom Gelände gebracht worden. Vier Frauen und zwei Männer, die Sprengstoffwesten trugen und sich nicht ergeben wollten, seien vor Ort getötet worden, sagte McKenzie.

Trump-Schilderungen nicht bestätigt

Binnen 24 Stunden seien al-Bagdadis sterbliche Überreste gemäß des Kriegsrechts auf See bestattet worden. Identifiziert worden sei er durch den Abgleich seiner DNA mit Proben, die US-Truppen 2004 nach seiner damaligen Festnahme genommen hätten.

US-Präsident Donald Trump hatte wortreich über dessen Tod berichtet und dabei auch emotional aufgeladene Details über dessen letzte Minuten genannt: Der IS-Anführer sei "wie ein Feigling" gestorben - bis zuletzt "winselnd und weinend und schreiend". Einer Reporterfrage über Trumps Darstellung wich McKenzie aus. "Er kroch mit zwei kleinen Kindern in ein Loch und jagte sich in die Luft, während seine Leute vor Ort blieben", sagte der General über al-Bagdadi. "Daraus können Sie schließen, was für eine Person das war."

IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi, Archivbild | Bildquelle: picture alliance / dpa
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IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi flüchtete nach Angaben des Pentagon mit zwei Kindern in einen Tunnel.

"Ein Parkplatz mit Schlaglöchern"

Bei dem Einsatz sei auch eine "erhebliche Menge" an Unterlagen und elektronischem Material im Unterschlupf beschlagnahmt worden, sagte McKenzie. Weitere Details nannte er nicht. Nach Abschluss der Mission hätten die US-Streitkräfte das Gelände bombardiert, damit daraus kein Pilgerort zu Ehren al-Bagdadis werden könne. "Es sieht da jetzt ungefähr wie ein Parkplatz mit riesigen Schlaglöchern aus", ergänzte McKenzie.

Er nannte auch Details zu dem als Helden gefeierten Militärhund, der am Einsatz gegen den IS-Chef beteiligt war. Der Hund sei verletzt worden, als er im Tunnel mit Elektrokabeln in Berührung kam, nachdem der IS-Anführer seine Sprengstoffweste gezündet habe. Seit vier Jahren sei der Hund beim US-Führungskommando der Spezialkräfte und habe fast 50 Kampfmissionen hinter sich. Inzwischen sei er wieder im Dienst. Der Hund wird kommende Woche im Weißen Haus erwartet.

Auf Vergeltungsattacke vorbereitet

Zwar sei die Operation gegen Al-Bagdadi erfolgreich verlaufen, doch wäre es ein Fehler, daraus eine Zerschlagung des IS abzuleiten, sagte der General. "Sie werden eine Weile brauchen, bis sie wieder jemanden für die Führung der Organisation aufgebaut haben, und während dieser Phase könnten ihre Aktionen ein wenig uneinheitlich sein." Doch werde der IS weiter gefährlich sein. "Wir vermuten, dass sie irgend eine Art von Vergeltungsattacke versuchen werden, und wir sind darauf gefasst und vorbereitet."

Mit Informationen von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Pentagon veröffentlicht Video vom Einsatz gegen al-Baghdadi
Arthur Landwehr, ARD Washington
31.10.2019 09:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2019 um 08:30 Uhr.

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