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Burkina Faso Mindestens 50 Frauen von Extremisten entführt

Stand: 16.01.2023 21:36 Uhr

Im westafrikanischen Burkina Faso suchen die Behörden nach 50 entführen Frauen. Nach Angaben der Regierung wurden sie von islamischen Extremisten verschleppt. Die Vereinten Nationen forderten ihre sofortige Freilassung.

Islamische Extremisten haben im westafrikanischen Burkina Faso nach Angaben der Behörden mindestens 50 Frauen entführt. Sie seien vergangene Woche aus der Nähe der Stadt Arbinda in der Provinz Soum verschleppt worden, teilte der Gouverneur der Sahel-Region im Norden Burkina Fasos, Rodolphe Sorgho, mit.

Die "Ehefrauen, Mütter und Mädchen" seien von "bewaffneten Männern unrechtmäßig ergriffen" worden, als sie "nach wilden Früchten gesucht haben", erklärte der Gouverneur. Mehrere Frauen konnten demnach entkommen und in ihren Dörfern Alarm schlagen.

Suche auch aus der Luft

Sorgho erkärte mit Blick auf die Suchaktion: "Alle verfügbaren Mittel werden eingesetzt". Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde am Boden und aus der Luft nach den verschleppten Frauen gesucht - bislang erfolglos. Aus Sicherheitskreisen hieß es: "Flugzeuge überfliegen das Gebiet, um jede verdächtige Bewegung festzustellen".

UN fordert "bedingungslose Freilassung"

UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte die "sofortige und bedingungslose" Freilassung aller entführten Frauen. Er forderte die Behörden in Burkina Faso in einer Erklärung zudem auf, die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen.

Entführungen wohl neue Taktik der Extremisten

Die Ortschaft Arbinda liegt in der Sahelzone im Norden Burkina Fasos. Dschihadistische Gruppen kontrollieren den Zugang zu dem Gebiet, die Versorgung mit Lebensmitteln ist eingeschränkt. Die Bewohner, vor allem Frauen, können sich nicht frei bewegen.

Nach Angaben von Behördenvertretern hatten die burkinische Armee und freiwillige Sicherheitskräfte zuletzt erfolglos versucht, die Dschihadisten zurückzudrängen. Großangelegte Entführungen seien offenbar eine neue Taktik der Extremisten, sagte der frühere Bürgermeister von Arbinda, Boureima Werem.

Spirale von Armut und Gewalt

Der Binnenstaat Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Er befindet sich seit 2015 in einer Spirale der Gewalt, regelmäßig kommt es zu bewaffneten Angriffen von dschihadistischen Gruppen, die zum Teil mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida und der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zusammenarbeiten.

Durch Angriffe von islamischen Extremisten sind in Burkina Faso in den vergangenen Jahren Tausende Menschen ums Leben gekommen und Millionen vertrieben worden. Weil die Regierung die Lage nicht unter Kontrolle bringen konnte, putschte im vergangenen Jahr das Militär. Aber auch gegen die Junta wurde daraufhin wieder geputscht. Die seit September regierende, neue Militärregierung bekommt die extremistische Gewalt bisher allerdings ebenfalls nicht unter Kontrolle.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Januar 2023 um 00:10 Uhr.