Überschwemmte Straßen im Hafenviertel Praia Nova von Beira in Mosambik. | Bildquelle: REUTERS

Ein Jahr nach Zyklon in Mosambik Neue Rückschläge nach "Idai"

Stand: 15.03.2020 05:41 Uhr

Vor einem Jahr zerstörte Zyklon "Idai" die Hafenstadt Beira in Mosambik - nichts war mehr wie zuvor. Der Wiederaufbau kommt zwar voran, doch die Menschen müssen neue Rückschläge verkraften.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Die Kinder an der Grundschule in Munhave sind guter Dinge - und das, obwohl dieser Stadtteil von Beira ein Armenviertel ist. Vor wenigen Monaten war hier noch alles voller Cholera-Patienten. Jetzt sieht es besser aus. Mit Mitteln der Vereinten Nationen wurden fünf Klassenzimmer zyklonfest gemacht, sagt Manuel Cunhera Alberto, der Direktor der Schule: "Sie halten starken Winden stand. Ganz anders als die Zimmer, die wir vorher hatten."

Sollte wieder ein Zyklon auf Beira stoßen, würden diese Räume nun sogar ein Zufluchtsort sein. Es gibt jetzt viel mehr Befestigungen als vorher, die Fenster sind kleinteilig, und das Vordach hängt nicht mehr am Hauptdach. Pro Jahr sollen 300 Klassenzimmer so befestigt werden - nicht nur in Beira, sondern in der kompletten Provinz Sofala.

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Nach Zyklon "Idai": Tausende Menschen kämpfen in Mosambik, Simbabwe und Malawi um ihr Leben

Blick auf überflutetes Gebiet in Mosambik

Knapp eine Woche nach dem Zyklon "Idai" kämpfen Tausende Menschen in den Katastrophengebieten in Mosambik, Simbabwe und Malawi um ihr Leben. Besonders stark betroffen ist Mosambik. Hunderttausende sind obdachlos geworden. | Bildquelle: AFP

Vieles ist wieder aufgebaut worden in den vergangenen Monaten, viele Felder im Umland wurden angelegt, und doch ist längst nicht alles gut. Praia Nova zum Beispiel ist ein Armenviertel von Beira. Hier leben Fischer. Sie sollen umziehen - das hat die Stadtverwaltung angeordnet - und das innerhalb von fünf Jahren. Die Fischer selbst, allen voran ihr Sprecher Alberto Machave, sind alles andere als begeistert. "Die Leute haben Angst. Es sind Fischer. Und ein Fischer lebt nun mal an der Küste, hier hat er sein Schiff oder sein Kanu in der Nähe, um weiter fischen zu können. Und um hierher zurückzukommen."

Hafen von Beira wichtig

Aber der Strand wird allmählich etwas weniger. Die Menschen sollen umziehen, weil die Stadtverwaltung von Beira den Küstenschutz ausbauen will. Das ist der große Gedanke hinter allen Plänen. Denn auch ohne einen neuen Zyklon, da sind sich Wissenschaftler einig, wird das Rathaus von Beira sehr wahrscheinlich in fünf bis zehn Jahren weggespült sein. Und das darf keinesfalls passieren, sagt Bürgermeister Daviz Simango: "Beira hat eine besondere Bedeutung. Beira ist ein Korridor, Beira wächst und lässt die Nachbarländer wachsen, weil es den Hafen hat, der hat große wirtschaftliche Bedeutung. Stellen sie sich vor, Beira hört auf zu existieren. Wie sollen diese Länder sich entwickeln?"

Und die Bedeutung von Beira, der Küstenstadt mit mehr als einer halben Million Einwohner, ist noch eine andere: Dort werden zentral die Vorräte des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen gelagert. Allerdings nehmen die ab, sagt Espinola Caribe: "Im Moment haben wir das Problem der Finanzierung. Die Lebensmittelvorräte sind halb leer, weil es nicht genug Geld gibt - und wir unterstützen in Mosambik 1,3 Millionen Menschen."

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Die Folge: Die Rationen für jeden einzelnen hat das Welternährungsprogramm schon halbieren müssen. Das ist keine gute Nachricht in einem Land, in dem Mangel- und Unterernährung nicht selten sind. Und damit nicht genug: Im Februar hat es so viel geregnet, dass Straßen unter Wasser stehen und - weitaus schlimmer - mancherorts schon wieder komplette Haupternten vernichtet wurden. Hilfsorganisationen schätzen, dass in den nächsten Monaten noch mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sein werden. Wirklich zur Ruhe ist Beira also auch ein Jahr nach Zyklon "Idai" noch nicht gekommen.

Auch in den Nachbarländern Simbabwe und Malawi sieht es nur oberflächlich normal aus. In diesen beiden Ländern hatte Zyklon "Idai" am selben Tag ebenfalls heftige Schäden angerichtet. In der simbabwischen Stadt Chimanimani, in der damals Brücken weggespült wurden und Häuser nach Erdrutschen verschüttet wurden oder einstürzten, kämpfen die Menschen auch ein Jahr danach mit den Folgen. Kuda Ndima hat damals zwei ihrer Kinder verloren. Sie lebt heute noch in einem Zelt und bezeichnet das als unerträglich. "Jedesmal, wenn sich am Himmel Wolken bilden und es nach Regen aussieht, dann holt es mich ein. Dann erinnere ich mich an das, was damals war. Das Zelt hier macht es nicht besser", sagt sie.

Viele immer noch traumatisiert

Peter Mutisi klingt ähnlich. Bis Anfang März 2019 hatte der 40-Jährige Lebensmittelschäfte in Chimanimani. Der Zyklon nahm ihm nicht nur seine Ehefrau, sondern auch sein Haus und zwei Autos. "Wir wissen einfach nicht, was als nächstes kommt. Es ist so schwierig, wenn man das Vertrauen verliert in Dinge und ins Leben allgemein. Die vergangenen Monate waren allesamt schwierig. Zurechtzukommen, das ist schwierig. Das ist selbst schon wie eine Strafe."

Man sieht und hört es ihnen an: Viele Menschen in Chimanimani sind traumatisiert, an psychologischer Behandlung fehlt es. Im Grunde klingt das aber nur wie die Spitze des Eisbergs. Denn das Materielle, was vor einem Jahr verloren ging, hat Simbabwe noch immer nicht ersetzen können. Und auch die Trauerarbeit ist noch nicht abgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. März 2020 um 13:30 Uhr in der Sendung "Eine Welt".

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