Afghanische Flüchtlinge auf dem US-Stützpunkt Ramstein | AFP

Wegen Masern Flüge mit Afghanen in die USA ausgesetzt

Stand: 11.09.2021 13:45 Uhr

Weil bei einigen Afghanen, die in den USA ankamen, Masern festgestellt wurden, dürfen von US-Stützpunkten nun keine Maschinen mehr abheben. Unterdessen kündigte Pakistan die Wiederaufnahme von kommerziellen Flügen nach Kabul an.

Wegen mehrerer Masern-Fälle bei im Land eingetroffenen Afghanen haben die USA Flüge mit afghanischen Staatsbürgern von zwei US-Stützpunkten in Deutschland und Katar gestoppt. Nach Angaben der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, seien vier Fälle der Infektionskrankheit bei ausgeflogenen Menschen festgestellt worden. Die Betroffenen seien in Quarantäne. Als "Vorsichtsmaßnahme" und auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden seien die Flüge mit den Afghanen in die USA vorerst ausgesetzt worden. 

"Alle jetzt ankommenden Afghanen werden gebeten, sich gegen Masern impfen zu lassen", fügte Psaki hinzu. Afghanische Flüchtlinge, die auf Militärstützpunkten in den USA eingetroffen seien, würden nun unter anderem gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Die US-Regierung prüft laut Psaki zudem die Möglichkeit, auch jene zu impfen, die sich noch auf Militärstützpunkten in anderen Ländern befinden. Die USA nutzen unter anderem den US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz als Transitort für Tausende Afghanen, die nach der Evakuierungsmission am Hindukusch in die USA umgesiedelt werden sollen.

In einem Dokument, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt, hieß es, dass der Stopp der Flüge die Abläufe auf der Basis in Deutschland massiv beeinträchtigen werde. Es werde auch nachteilige Auswirkungen auf die fast 10.000 Evakuierten in Ramstein geben, von denen viele länger als zehn Tage dort und zunehmend erschöpft seien. Ein Stopp der Flüge mit Ziel USA ist für Amerika auch ein Problem, da mit der Bundesregierung eigentlich vereinbart wurde, dass Deutschland nicht für länger als zehn Tage als Transitland für die Luftbrücke aus Afghanistan genutzt werden dürfe.

Zweiter Evakuierungsflug mit 158 Menschen

Unterdessen flog ein zweiter Evakuierungsflug nach dem US-Abzug weitere Ausländer aus Kabul aus. Nach Angaben eines katarischen Offiziellen brachte die Maschine von Qatar Airways 158 Menschen in Katars Hauptstadt Doha - darunter auch 45 Bundesbürger mit Familienangehörigen, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Es werde intensiv an weiteren Ausreisemöglichkeiten gearbeitet, sagte ein Sprecher. Betroffene würden kontaktiert.

Ein erster Evakuierungsflug hatte am Donnerstag mehr als 100 Menschen nach Doha gebracht. Auch der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalizad, sprach auf Twitter von mehr als 250 Ausländern, die in den vergangenen Tagen das Land verlassen konnten.

Seit Ende der militärischen Evakuierungsmission in Kabul mit dem Abzug der letzten US-Soldaten bemühen sich westliche Länder, ihren Staatsangehörigen und früheren afghanischen Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen. Dazu sollen zunehmend auch der Landweg genutzt werden und Flüge aus Nachbarländern starten.

Pakistan will Flugverkehr aufnehmen

Ab Montag will die staatliche pakistanische Fluggesellschaft PIA nach Medieninfomrationen den kommerziellen Flugverkehr in die afghanische Hauptstadt Kabul wieder aufnehmen. "Wir haben alle technischen Genehmigungen für den Flugbetrieb", sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Der erste Flug werde am 13. September von Islamabad aus nach Kabul starten. Mit der Ankündigung aus Pakistan wächst die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs.

Über dieses Thema berichteten am 11. September 2021 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr in den Nachrichten und MDR aktuell um 10:22 Uhr.