Passagiere aus Afghanistan vor einem Flugzeug von Qatar Airways am Flughafen von Do | AFP

Charterflug aus Afghanistan Weitere Ausländer aus Kabul ausgeflogen

Stand: 11.09.2021 17:12 Uhr

Mit dem zweiten zivilen Evakuierungsflug aus Kabul haben weitere Ausländer Afghanistan verlassen. Darunter waren auch 45 Deutsche, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Unterdessen verschärft sich die humanitäre Krise im Land.

Mit den ersten Passagierflügen aus Kabul seit Ende der militärischen Evakuierungsmission haben inzwischen mehr als 250 Ausländerinnen und Ausländer Afghanistan verlassen können. Das teilte der US-Sondergesandte Zalmay Khalilzad auf Twitter mit. Katarischen Angaben zufolge wurden mit der zweiten Chartermaschine insgesamt 158 afghanische Staatsangehörige sowie Ausländerinnen und Ausländer nach Doha gebracht.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befanden sich auf dem zweiten zivilen Flug auch 45 Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland samt Familienangehörigen. Zuvor konnten bereits 15 Deutsche mit dem ersten zivilen Evakuierungsflug von Qatar Airways von Afghanistan ins arabische Emirat Katar gebracht werden. Es werde intensiv an weiteren Ausreisemöglichkeiten gearbeitet, sagte ein Sprecher.

USA setzen Flüge aus

Mit Militärmaschinen konnten nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Mitte August mehr als 120.000 Menschen ausgeflogen werden. Seit Ende der militärischen Evakuierungsmission in Kabul mit dem Abzug der letzten US-Soldaten bemühen sich westliche Länder, ihren Staatsangehörigen und früheren afghanischen Ortskräften weiterhin die Ausreise zu ermöglichen.

Die US-Regierung hat die Evakuierungsflüge mit afghanischen Schutzbedürftigen von Orten außerhalb Afghanistans in die USA wegen mehrerer Masernfälle indes vorläufig gestoppt.

Pakistan will Flugverkehr wieder aufnehmen

Pakistan kündigte an, den Flughafen Kabul ebenfalls wieder nutzen zu wollen, um Menschen aus Afghanistan zu bringen. Dazu wolle man zunächst Charterflüge durchführen. Man sei bestrebt, auch wieder Linienflüge nach Kabul aufzunehmen, aber es könnte noch einige Zeit dauern, sagte ein Sprecher der staatlichen Fluggesellschaft Pakistan International Airlines (PIA) der Nachrichtenagentur dpa.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) teilten unterdessen mit, am 3. September eine Luftbrücke für Hilfsflieferungen nach Kabul eingerichtet zu haben. Seitdem seien bereits elf Flüge abgewickelt worden, mit denen 255 Tonnen an Notfallhilfe und Lebensmitteln nach Afghanistan gebracht worden seien, sagte Ibrahim Moarafi, Manager und Regionaldirektor des in den Emiraten ansässigen Dienstleistungsunternehmens GAAC, das seit November 2020 am Flughafen Kabul tätig ist.

Am Samstag wurden zwei Flugzeuge aus den Emiraten entladen. Die Hilfslieferungen umfassten Fleisch, Milchpulver, Speiseöl und Sanitätsartikel, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Schwierige Lage im Pandschir-Tal

Die humanitäre Situation im Land hat sich unterdessen zugespitzt. Videos aus dem Pandschir-Tal zeigten, dass Hunderte Familien versuchten, das Tal zu verlassen. Die Taliban sollen dort zuletzt keine Lebensmittellieferungen mehr zugelassen haben. Ein weiteres Video soll zudem zeigen, wie Taliban das Feuer auf eine festgenommene Person eröffneten. Ein Taliban-Sprecher schrieb auf Twitter, "voreingenommene Medien" veröffentlichten Gerüchte, dass sie Zivilisten zwängen, Pandschir zu verlassen. Das sei Propaganda und falsch.

In der Hauptstadt Kabul haben Dutzende Frauen bei einer Demonstration auf dem Gelände einer Universität ihre Unterstützung für die Taliban ausgedrückt. Auf Bannern, die sie mit sich trugen, stand: "Wir sind mit der islamischen Einstellung und dem Verhalten der Mudschaheddin zufrieden."

Karte: Afghanistan mit Kabul und dem Pandschir-Tal

Das Pandschir-Tal war das letzte Gebiet, das die Taliban eroberten. Es liegt etwa 150 km nordöstlich von Kabul.

Taliban-Flagge am Präsidentenpalast

Am Präsidentenpalast in Kabul wehte am 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York wieder die Taliban-Flagge. Hemad Schersad, Mitglied des Kulturrates der Taliban, sagte, diese sei am Tag zuvor gehisst worden. Die Gruppe malte ihr Banner mit weißem Hintergrund auch auf das Tor der US-Botschaft in Kabul.

Die Taliban hatten einst den Planern der Terroranschläge vom 11. September 2001 rund um Al-Kaida-Chef Osama bin Laden Unterschlupf gewährt. Als sie eine Auslieferung verweigerten, marschierten die US-Truppen mit internationaler Unterstützung in Afghanistan ein und stürzten die Taliban-Regierung. Zuletzt eroberten die Islamisten Afghanistan wieder zurück und bildeten kurz vor dem 9/11-Jahrestag eine Übergangsregierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2021 um 18:00 Uhr.