Friedensgespräche zwischen den USA und den Taliban in Katar | Bildquelle: AFP

Gespräche mit Taliban Zerwürfnis zwischen Afghanistan und USA

Stand: 15.03.2019 13:04 Uhr

Die USA verhandeln mit den Taliban über eine Friedenslösung. Die afghanische Regierung ist nicht dabei, fühlt sich schlecht informiert und kritisierte nun das US-Vorgehen scharf.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

Während von den jüngsten Friedensgesprächen zwischen den USA und der Taliban-Führung in Katar Fortschritte gemeldet werden, ist es zu einem Zerwürfnis zwischen der afghanischen Regierung und der US-Regierung gekommen.

Afghanistans nationaler Sicherheitsberater Hamdullah Mohib | Bildquelle: AFP
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Afghanistans nationaler Sicherheitsberater Hamdullah Mohib kritisierte die US-Verhandlungsführung scharf.

Ein enger Berater des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani hatte in ungewöhnlich scharfen Worten die Verhandlungsführung der USA kritisiert und dabei den US-Gesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, persönlich angegriffen. Die afghanische Regierung werde im Unklaren über die Gespräche gelassen, sagte der nationale Sicherheitsberater Hamdullah Mohib gegenüber Journalisten in Washington. Die Regierung in Kabul erfahre als letzte, was in Doha besprochen werde.

Rückreise ohne Gespräch mit afghanischer Regierung

Bisher hatte Khalilzad die afghanische Regierung nach Gesprächen mit den Taliban immer persönlich über die Ergebnisse in Kenntnis gesetzt. Diesmal war er hingegen direkt nach Washington zurückgereist.

US-Gesandter für Afghanistan, Zalmay Khalilzad | Bildquelle: AFP
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Der US-Gesandter für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, kehrte nach den jüngsten Friedensgesprächen nach Washington zurück, ohne die Regierung in Kabul zu informieren.

Auch der afghanische Regierungschef Abdullah kritisierte die Friedensgespräche unter Ausschluss der afghanischen Regierung. Dem Fernsehsender TOLO-News sagte er, ein unter solchen Umständen ausgehandelter Frieden sei kaum umsetzbar. "Es kann doch nicht sein, dass ein geheimer Deal ausgehandelt wird - ohne die Vertretung des afghanischen Volkes", sagte er.

Der frühere Vizepräsident Mohammad Yunus Qanooni äußerte sich besorgt über die Zukunft Afghanistans, wenn die Taliban nach einem möglichen Abzug der US-Truppen wieder an die Macht kommen sollten. "Was soll denn aus den afghanischen Frauen werden? Wie wird die Zukunft der afghanischen Jugend aussehen?", fragte er. "Und was wird aus all den Fortschritten, die wir in den vergangenen 18 Jahren gemacht haben und für die so viele Soldaten gestorben sind?"

Taliban sprechen von Fortschritten

Die jüngste Gesprächsrunde zwischen den USA und der Taliban-Führung in Doha war am Montag zu Ende gegangen. Der Verhandlungsführer der Taliban, Mullah Abdul Baradar, sprach anschließend von guten Fortschritten. Einzelheiten der Gesprächsergebnisse wurden jedoch nicht bekannt.

Gespräche mit der afghanischen Regierung lehnen die Taliban ab, da sie diese für eine Marionettenregierung der USA halten. In Kabul wächst offenbar die Sorge, dass nach einer Einigung mit den Taliban eine Art Übergansregierung in Afghanistan geschaffen werden soll und dass US-Chefunterhändler Khalilzad dabei eigene Ambitionen verfolge. Der aus Afghanistan stammende Diplomat wollte schon zwei Mal Präsident in Afghanistan werden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 15. März 2019 um 12:20 Uhr und 14:20 Uhr.

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