Der afghanische Präsident Ashraf Ghani streckt beim Reden aufgebracht seine Arme und Hände vor.

Afghanische Regierung Präsident Ghani weist Rücktritte zurück

Stand: 26.08.2018 13:38 Uhr

Die Gewalt von Extremisten in Afghanistan hinterlässt offenbar auch in der Regierung ihre Spuren: Zwei Sicherheitsminister und der Geheimdienstchef wollten zurücktreten, doch Präsident Ghani ließ das nicht zu.

Die Regierung unter dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani ist sich zunehmend uneins über die Strategie gegen radikalislamische Extremisten: Nachdem bereits der nationale Sicherheitsberater des Staatschefs, Mohammed Hanif Atmar, seinen Posten aufgegeben hatte, reichten nun auch Verteidigungsminister Tarek Schah Bahrami, Innenminister Wais Ahmed Barmak sowie Geheimdienstchef Massum Staneksai ihre Rücktritte ein. Ghani wies diese jedoch zurück.

Der afghanische Verteidigungsminister Tarek Schah Bahrami | Bildquelle: REUTERS
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Sie wollten ihr Amt abgeben: der Verteidigungsminister Tarek Schah Bahrami ...

Der afghanische Innenminister Wais Barmak | Bildquelle: REUTERS
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... und derInnenminister Wais Barmak.

"Ernste Differenzen" über politischen Kurs

Stattdessen habe Ghani den Ministern und dem Geheimdienstchef die "nötigen Anweisungen zur Verbesserung der Sicherheitslage" in dem Land erteilt, hieß es aus dem Präsidentenpalast. Die afghanische Führung steht in der Kritik, die Bedrohung durch Extremisten, allen voran die radikal-islamischen Taliban, nicht eindämmen zu können. Zwischen den Ministern und Ghani habe es große Meinungsverschiedenheiten gegeben, wie mit der instabilen Sicherheitslage umzugehen sei, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Quellen aus dem afghanischen Innenministerium.

Ähnlich hatte auch Sicherheitsberater Atmar seine Entscheidung begründet. In einer im Fernsehen ausgestrahlten Erklärung sprach auch er von "ernsten Differenzen" über den politischen Kurs. Aus Regierungskreisen wurde jedoch die Vermutung laut, Atmar habe sein Amt aufgegeben, um sich auf eine mögliche Kandidatur als Präsident des Landes im kommenden Jahr vorzubereiten. Ghani hatte den Rücktritt angenommen.

Der zurückgetretene nationale Sicherheitsberater des afghanischen Präsidenten Ghani, Hanif Atmar. | Bildquelle: dpa
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Stecken hinter seinem Rücktritt politische Ambitionen? Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Hanif Atmar.

Bereits mehr als 1600 zivile Opfer in diesem Jahr

Die Taliban gewinnen seit 2014 in Afghanistan immer mehr an Stärke und Boden. Immer wieder verüben sie Angriffe und auch Anschläge. Mitte des Monats hatten die Kämpfer der Miliz sich tagelange Gefechte mit der afghanischen Armee um die Stadt Ghasni geliefert. Mehr als 100 Sicherheitskräfte wurden getötet, zudem kamen bis zu 30 Zivilisten ums Leben.

Doch auch andere Terrormilizen wie der "Islamische Staat" (IS) versuchen, zunehmend an Macht zu gewinnen. Zuletzt hatte der IS eine Attacke mit mehreren Granaten auf das Stadtzentrum in Kabul für sich beansprucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden allein im ersten Halbjahr 2018 bereits mehr als 1600 Zivilisten durch die Kämpfe zwischen Extremisten und dem afghanischen Militär getötet.

Waffenruhe wiederholt gescheitert

Die Versuche von Präsident Ghani, mehrfach eine Waffenruhe mit den Taliban auszurufen, scheiterten bislang. Eine im Juni von Ghani angekündigte Waffenruhe wurde von den Taliban für drei Tage eingehalten, endete dann aber abrupt. Vor einer Woche kündigte Ghani erneut eine Waffenruhe an, die für drei Monate halten sollte. Bereits am Tag darauf verschleppten Taliban-Kämpfer die Insassen von drei Bussen als Geiseln, ließen aber die meisten der insgesamt 140 Gefangenen kurz darauf wieder frei. Zwei Tage nach der Ankündigung des Präsidenten ereignete sich der Granatenangriff auf Kabul.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2018 um 00:00 Uhr.

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