Pompeo  | Bildquelle: AP

US-Außenminister in Afghanistan Auf Friedenssuche mit den Taliban

Stand: 26.06.2019 08:50 Uhr

Die USA wollen noch vor den im September geplanten Präsidentschaftswahlen in Afghanistan eine Friedensvereinbarung mit den Taliban schließen. US-Außenminister Mike Pompeo traf zu einem Überraschungsbesuch in Kabul ein.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Das Zieldatum ist der September, so der US-Außenminister. Mike Pompeo machte bei seiner Ankunft aber klar, dass von Seiten der USA noch nichts feststeht:

"Und obwohl wir den Taliban deutlich gemacht haben, dass wir bereit sind, unsere Truppen abzuziehen, möchte ich doch klarstellen, dass es dazu noch keinen Zeitplan gibt."

Während die Taliban vor weiteren Gesprächen über Frieden einen klaren Zeitplan für den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan verlangen, haben die USA und die NATO immer wieder deutlich gemacht, dass sie ihre Präsenz am Hindukusch erst beenden würden, wenn ein stabiler Frieden in Afghanistan gesichert sei.

Die USA wollen Garantien, die Taliban einen Zeitplan

Seit Mitte vergangenen Jahres gibt es Gespräche zwischen den USA und der Taliban-Führung in Doha über ein Ende des langjährigen Krieges. Die nächste Runde der Gespräche, die zuletzt etwas ins Stocken geraten waren, soll am Wochenende beginnen.

NATO-Mission "Resolute Support"


In Afghanistan sind nach Angaben der NATO zwei US-Soldaten getötet worden. Seit Beginn des Jahres sind somit neun US-Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. US-Präsident Donald Trump hatte nach Jahren des Truppenabzugs das US-Kontingent in Afghanistan zunächst von etwa 8400 auf rund 14 Tausend Soldaten aufgestockt. Allerdings überlegt er laut US-Vizepräsident Mike Pence wieder eine Reduzierung. Gleichzeitig treibt der US-Sondergesandte für Aussöhnung in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, eine politische Lösung des Konflikts mit den radikalislamischen Taliban voran. Seit Juli des Vorjahres gab es mehrere Gesprächsrunden zwischen US-Vertretern und hochrangigen Taliban. Nach Fortschritten Anfang des Jahres waren die Gespräche zuletzt ins Stocken geraten. 

Die Taliban kontrollieren, seit sie 2001 durch eine Militärallianz unter Führung der USA von der Macht in Kabul vertriebenen wurden, mittlerweile wieder große Teile des Landes. Fast täglich gibt es Angriffe auf Kontrollposten und Stützpunkte der afghanischen Streitkräfte und der Polizei.

Die USA verlangen von den Taliban mehrere Zusagen, unter anderem Sicherheitsgarantien, dass von afghanischem Boden aus in Zukunft keine Terroranschläge auf die USA oder andere Staaten geplant und verübt werden.

pompeo | Bildquelle: Ron Przysucha/US STATE DEPARTMEN
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Pompeo beim afghanischen Präsidenten Ghani in Kabul. (Foto: US State Department)

Gespräche ohne die afghanische Regierung

Die afghanische Regierung ist bislang von allen Friedensgesprächen ausgeschlossen, weil sie von den Taliban nicht anerkannt wird. Pompeo versicherte seinen Gesprächspartnern in Kabul, dass nichts über ihre Köpfe hinweg entschieden werde:

"Bei meinen Gesprächen mit Präsident Ashraf Ghani und Regierungschef Abdullah Abdullah waren wir uns einig, dass der Frieden für uns die höchste Priorität hat und dass Afghanistan nie wieder zur Plattform für internationalen Terrorismus werden darf."

Alle Beteiligten stimmten darin überein, dass eine Friedensvereinbarung die Tür öffnen wird für einen innerafghanischen Dialog. Die USA würden nichts anstelle der afghanischen Regierung oder des afghanischen Volkes mit den Taliban vereinbaren, so Pompeo.

Pompeos nächster Termin: Indien

Nach seinem Überraschungsbesuch in Kabul reiste US-Außenminister Pompeo am späten Abend weiter nach Delhi. Bei den Gesprächen mit der indischen Regierung stehen einige schwierige Fragen auf der Tagesordnung.

Unter anderem belastet der Streit über verschiedene Zölle die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern. Außerdem ein umstrittener Waffendeal der indischen Regierung mit Russland, der gegen die US-Sanktionen verstößt und der Ölhandel mit dem Iran.

Indien war bis vor Kurzem noch nach China der zweitgrößte Importeur von Öl aus dem Iran und hat auf Druck der USA seine Importmengen reduziert.

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Afghanistan - US-Außenminister Pompeo in Kabul

Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
26.06.19 07:48 | audio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2019 um 18:40 Uhr.

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