Eine Mutter mit ihrem verletzten Kind nach einem Selbstmordanschlag in Afghanistan | Bildquelle: AFP

Zivile Opfer in Afghanistan Ein trauriger Rekord

Stand: 24.02.2019 10:25 Uhr

Die Sicherheitslage in Afghanistan wird immer prekärer. Fast 4000 Zivilisten wurden im vergangenen Jahr getötet. Das ist ein neuer Höchststand. Die meisten Menschen kamen bei Terroranschlägen ums Leben.

In Afghanistan wurden im vergangenen Jahr mindestens 3800 Zivilisten getötet. Das sind elf Prozent mehr 2017. Zugleich wurden fast 7200 Zivilisten verletzt, rund 2 Prozent mehr als 2017. Das geht aus einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan und dem UN-Hochkommissariat hervor.

Die meisten Zivilisten wurden den Angaben zufolge von Extremistengruppen wie den Taliban oder der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" getötet. 2018 gab es den UN zufolge 65 Selbstmordanschläge, die meisten davon in der Hauptstadt Kabul. Damit seien die Taliban und die IS-Miliz für mehr als 2200 Todesfälle verantwortlich.

Fast ein Viertel der Opfer waren Kinder

Aber auch Luftangriffe der USA und der afghanischen Luftwaffe führten zu einem Anstieg der zivilen Opfer: Zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen seien im vergangenen Jahr mehr als 500 Zivilisten bei Luftangriffen getötet worden, erklärten die UN.

Fast ein Viertel der getöteten Zivilisten waren Kinder. Mit etwa 900 Todesopfern ist auch dieser Wert der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen. 

"Es ist Zeit, dieses menschliche Leid und diese Tragödie zu beenden", sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto. Seit Beginn der UN-Zählung vor zehn Jahren wurden demnach mindestens 32.000 Zivilisten getötet und rund 60.000 weitere verletzt.

Zahlen gelten als konservativ

Die Zahlen der UN gelten als konservativ, weil die Organisation für jeden registrierten Fall mindestens drei unabhängige Quellen benötigt. Die Vereinten Nationen riefen die Konfliktparteien auf, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen.

Am Montag wollen die USA ihre Friedensgespräche mit den Taliban in Doha fortsetzen. Verhandlungen mit der Regierung in Kabul lehnt die Extremistengruppe bislang ab.

Zahl der Opfer in Afghanistan 2018 auf Rekordhoch
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
24.02.2019 14:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Februar 2019 um 08:55 Uhr.

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