Regierungschef Abiy Ahmed in Addis Abeba | Bildquelle: AFP

Explosion in Äthiopien Anschlag auf Regierungschef?

Stand: 23.06.2018 21:26 Uhr

Die 100 Millionen Äthiopier wurden über Jahre von Autokraten regiert. Seit wenigen Wochen ist ein neuer Ministerpräsident an der Macht. Er will Wandel. Nun überschattet ein Anschlag den Reformprozess.

Bei einem Anschlag auf eine Kundgebung der Regierung in Äthiopien ist laut dem Gesundheitsminister ein Mensch getötet worden. Mehr als 155 Teilnehmer wurden verletzt. Möglicherweise galt der Angriff Ministerpräsident Abiy Ahmed, der zuvor auf dem größten Platz der Hauptstadt Addis Abeba geredet hatte. Er blieb staatlichen Medien zufolge unverletzt. Die Polizei sprach zunächst von mehr als 100 Verletzten.

Abiy machte Kräfte für die Tat verantwortlich, die gegen die Einheit Äthiopiens gerichtet seien und beschrieb die Tat als "gut eingefädelten Anschlag". Der genaue Hergang ist noch unklar. Vermutlich hatte ein Unbekannter eine Granate in die dichte Menschenmenge geworfen. "Der Ministerpräsident war das Ziel", sagte der Organisation der Kundgebung. Eine Person habe "versucht, die Granate in Richtung einer Bühne zu werfen, wo der Ministerpräsident saß", sei aber von der Menschenmenge daran gehindert worden.

Bei Rede des Premierministers: Anschlag in Äthiopiens Hauptstadt
23.06.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Neuer Ton in Addis Abeba

Der 41-jährige Abiy, der erst seit rund drei Monaten das ostafrikanische Land regiert, hat Äthiopien einen grundlegenden Wandel verschrieben: Nach jahrzehntelanger Autokratie möchte er sich für eine wirtschaftliche Öffnung einsetzen und beendete den Ausnahmezustand. Zuletzt entließ er politische Gefangene und erlaubte bisher gesperrten Medien die Arbeit. Auch den Dauerkonflikt mit dem Nachbarn Eritrea will er lösen - durch Zugeständnisse.

"Man hat den Eindruck, dass viele Äthiopier seit langem das erste Mal wieder befreit durchatmen", sagt Constantin Grund, der das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Addis Abeba leitet. Noch sei es zu früh zu beurteilen, ob der Wandel von Dauer ist. Vor allem die jungen Äthiopier begrüßen den Veränderungsprozess. "Politische Dialoge sind seit Ende des Ausnahmezustands wieder möglich geworden", sagt Grund.

Rettungskräfte versorgen Verletzte in Addis Abeba | Bildquelle: AFP
galerie

Rettungskräfte versorgen Verletzte in Addis Abeba

Abiy kämpft gegen Profiteure der Autokratie

Abiy, der als erster Anhänger der Oromo-Volksgruppe an der Regierungsspitze steht, hat einstige Profiteure entlassen. So wurde die Vorherrschaft der Tigray im Land gebrochen. Bei der Minderheit aus dem Norden des Landes wächst der Widerstand gegen den Reformkurs.

Besonders umstritten in der Bevölkerung ist Abiys Versöhnungskurs mit Eritrea, mit dem von 1998 bis 2000 ein Krieg geführt wurde. Abiy hat angekündigt, die Entscheidung einer internationalen Schiedskommission von 2002 anzuerkennen, derzufolge Äthiopien die Ortschaft Badme und umliegende Landstriche an Eritrea abtreten muss. Eritreas Machthaber Isaias Afewerki sagte zu, eine Verhandlungsdelegation nach Äthiopien zu entsenden, um konkrete Schritte zu vereinbaren. Der früheren Regierung Äthiopiens waren schwere Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt worden.

Abiys Vorgänger Hailemariam Desalegn war nach fast drei Jahre Massenprotest zurückgetreten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juni 2018 um 14:00 Uhr.

Darstellung: