Eine vertrocknete Sonnenblume lässt auf einem Feld in Sachsen ihren Kopf hängen.  | Sebastian Kahnert/zb/dpa

DWD-Bilanz 2022 Ein "außergewöhnliches Wetterjahr"

Stand: 30.12.2022 15:20 Uhr

Die Sonne schien oft und es war auch sehr warm im zurückliegenden Jahr 2022 - mit 10,5 Grad Celsius im Schnitt eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zudem war es sehr trocken.

Von Ingo Nathusius, HR

Sonnig, heiß und trocken: Deutschland hat 2022 ein "außergewöhnliches Wetterjahr" erlebt, wie der Deutsche Wetterdienst in seiner Jahreswetterbilanz mitteilte. "Die langfristige Erwärmung hat sich im abgelaufenen Jahr weiter fortgesetzt", erläutert Meteorologe Tim Staeger vom ARD-Wetterzentrum. "Mittlerweile ist das Temperaturniveau hierzulande gegenüber der vorindustriellen Zeit um 1,7 Grad gestiegen." Das Jahr 2022 ist zusammen mit 2018 das wärmste seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1881. Im Durchschnitt war es in Deutschland 10,5 Grad warm.

Ingo Nathusius

Deutlich weniger Niederschläge

Schon der März war sehr sonnig. Und "der April macht, was er will", sagte man früher. So gesehen, war der April 2022 vorschriftsmäßig. Im Tiefland wurde es sehr kalt. Es fiel Schnee. Dann stiegen die Temperaturen und es gab sonnige Ostern. Von Mai bis August schien die Sonne. Auch der Oktober war sehr warm. Nach einem Kälteeinbruch Mitte Dezember ist es aktuell wieder eher warm. Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes war 2022 das sonnenreichste Jahr seit Beginn der Messungen.

Große Wärme ging mit schwachen Niederschlägen einher. Gegenüber dem Jahresmittel fiel 15 Prozent weniger Regen - von Juni bis August fehlten sogar 40 Prozent des durchschnittlichen Regens. Dass es 2022 nicht noch viel trockener geworden ist, liegt an den Monaten Februar und September. In der Mitte und im Süden Deutschlands regnete es ausgiebig. 

 

Grundwasserpegel sinken

Insgesamt sind die Böden großräumig ausgetrocknet. Wenn es denn mal richtig regnete, floss viel von den harten Oberflächen ab. Es dauert, bis die Krume wieder durchfeuchtet ist und Wasser in tiefere Bodenschichten sickern kann. "Folglich sind die Grundwasserpegel praktisch in ganz Deutschland gesunken", sagt Staeger. 

Wer einen Garten hat oder in der Landwirtschaft arbeitet, erfährt Wetter unmittelbar. Ehemals bewährte Kulturpflanzen tun sich zunehmend schwer. Trockenheit in Garten und Flur erfordert zusätzliche Bewässerung. Zahlen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zeigen, dass bei Durchschnittstemperaturen um neun Grad in Deutschland jährlich etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht werden. In heißen Jahren mit Temperaturen über zehn Grad sind es bis 4,8 Millionen Kubikmeter. Für 2022 liegen noch keine Daten vor. Höherer Wasserverbrauch bei niedrigen Niederschlägen und sinkenden Grundwasserreservoirs lassen größeren Aufwand der Wasserwerke erwarten - und damit steigende Wasserpreise.  

Wald nimmt Schaden

Bei Spaziergängen und Wanderungen merken auch Städter, wie Hitze und Trockenheit auf die Natur wirken. Wälder und Gebüsche sind knochentrocken und mickern. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes, die jedoch nicht ganz aktuell sind, leiden Wälder aber noch mehr unter Schädlingen.

Weit mehr Bäume werden wegen des Borkenkäfers gefällt als wegen der Trockenschäden. "Das ist ein schwacher Trost", sagt Meteorologe Staeger. "Es kommt eins zum andern und alles zusammen schädigt die noch vorhandene Natur."

Orkane und Tornados

Doch Hitze und Trockenheit waren 2022 nicht das einzige Außergewöhnliche. Das Jahr hatte auch kräftige Stürme, gar Orkane und Tornados zu bieten. Während Wind ab Stärke 9 (ab 75 km/h) als Sturm bezeichnet wird, spricht man erst bei Windstärke 12 (ab 118 km/h) von Orkan. Im Januar tobte Orkan "Nadia" über dem Norden und Osten des Landes. Auch im Februar blies Wind in Sturm- und Orkanstärke. 

Den 20. Mai 2022 bezeichnet der Deutsche Wetterdienst als denkwürdigen Tag. In Westdeutschland gab es mindestens sieben Tornados. Das sind kurzlebige, aber äußerst kraftvolle Windhosen. Tornados sind sehr labil und brechen nach wenigen Minuten zusammen. Sie hängen unter den Wolken eines sehr aktiven Tiefdruckgebietes. Meistens wachsen sie aus Gewitterwolken.

Wenn aus einer energiereichen Wolke eine schnell drehende Windhose kommt und den Erdboden erreicht, entsteht enormer Sog. Am 20. Mai hinterließen sie auf jeweils wenigen hundert Metern Schneisen der Verheerung: zertrümmerte Autos, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume.  

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Dezember 2022 um 14:00 Uhr.