Christian Karagiannidis | EPA

Intensivmediziner Karagiannidis "Corona nach dem Winter vorbei"

Stand: 26.12.2022 12:44 Uhr

Der Intensivmediziner Karagiannidis rechnet mit einem Ende der Corona-Pandemie nach diesem Winter. Der Virologe Drosten geht sogar noch einen Schritt weiter. Seiner Einschätzung nach ist die Pandemie bereits vorüber.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie hat sich der Intensivmediziner Christian Karagiannidis optimistisch geäußert. "Ich rechne fest damit, dass die Pandemie jetzt zunehmend ausläuft", sagte das Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Karagiannidis bejahte die Frage, ob die Pandemie nach dem Winter vorbei sei. Sicherlich werde es noch die eine oder andere kleine Welle geben. "Aber wir merken, dass die Immunitätslage der Bevölkerung solide ist und wir auf den Intensivstationen deutlich weniger Covid-Patienten haben."

Dass sich in Deutschland noch einmal eine gefährliche Corona-Variante ausbreite, hält Karagiannidis für unwahrscheinlich. Die Abwehr von Coronaviren funktioniere offenbar sehr gut, sagte er mit Blick auf die Immunität durch Antikörper und T-Zellen. "Wir sehen, dass die Zahl der schweren Erkrankungen immer mehr abnimmt. Ich glaube nicht, dass wir noch einmal einen Rückschlag erleben."

Drosten: Pandemie ist vorbei

Nach Ansicht des Virologen Christian Drosten ist die Pandemie bereits vorüber. "Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-CoV-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei", sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Universitätsklinik Charité dem "Tagesspiegel".

Die Immunität in der Bevölkerung werde nach diesem Winter so breit und belastbar sein, dass das Virus im Sommer kaum noch durchkommen könne. Als einzige Einschränkung nannte der Virologie einen weiteren Mutationssprung. "Aber auch das erwarte ich im Moment nicht mehr", so Drosten.

Die Einschätzung, dass es sich bei Corona inzwischen um eine Endemie handelt, teilen inzwischen mehrere Experten, so etwa der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens. Aus seiner Sicht ist eine Pandemie vor allem dadurch definiert, dass ein weltweit unbekannter Erreger, mit dem Menschen keine immunologische Erfahrung haben, in die Bevölkerung einbricht. Das sei inzwischen nicht mehr gegeben, hatte Mertens bereits Ende Oktober gesagt.

Infektionswelle hat ihre Spitze erreicht

Karagiannidis sieht die Welle von Atemwegserkrankungen in Deutschland auf dem Höhepunkt. "Aktuell wissen wir, dass die sehr starke Infektionswelle gerade ihre Spitze erreicht hat und die Zahl der Infektionen in den kommenden Tagen hoffentlich sinkt", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin. Es zeichne sich bereits ein leichter Rückgang bei Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) und bei anderen Infektionserkrankungen ab.

Dennoch warnte Karagiannidis davor, dass es in Kliniken an Silvester und Neujahr zu Engpässen kommen könnte - allerdings regional und nicht flächendeckend. Angesichts der angespannten Lage in den Krankenhäusern rief er die Menschen dazu auf, sich mit dem Böllern an Silvester zurückzuhalten oder ganz darauf zu verzichten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Dezember 2022 um 09:00 Uhr.