Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht bei einer Diskussionsrunde auf dem Weltwirtschaftsforum | dpa

Weltwirtschaftsforum Nur gemeinsam aus der Energiekrise

Stand: 23.05.2022 13:52 Uhr

Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos stand die Energiesicherheit in Zentrum. Dieses Problem sei nur gemeinsam mit anderen zu lösen, betonte Wirtschaftsminister Habeck.

Von Sabrina Fritz, SWR, zzt. Davos

In Davos kostet der Liter Benzin gerade 2,12 Euro. Die vielen schwarzen Limousinen, die hier ohne Pause die Gäste hin und her chauffieren, brauchen Unmengen davon. Doch Geld spielt in den Davoser Bergen keine Rolle - für Millionen Menschen, die weltweit unter den hohen Energiepreisen leiden, hingegen schon. Das mag ein Grund sein, warum das Weltwirtschaftsforum in Davos die Energiekrise an den Anfang der Veranstaltung gesetzt hat.

Sabrina Fritz

Habeck setzt auf Zusammenhalt

Für Deutschland nahm Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck an der Diskussion auf Englisch teil. "Wir haben vier Probleme", sagte er und zählte dabei auf: die hohe Inflation, die Energiekrise, den Ernährungsmangel und die Klimakrise. "Und wir können sie nicht lösen, wenn wir uns nur auf ein Problem konzentrieren."

Auch innerhalb Europas müsse man eine gemeinsame Lösung finden, so Habeck, um auf die Abhängigkeit von russischer Energie zu reagieren. Diese sei ein strategischer Fehler gewesen. Ungarn sträubt sich noch dagegen, kein Öl mehr aus Russland zu beziehen. "Zusammenhalten ist jetzt das Wichtigste", sagte Habeck.

Fossile Energien stark gefragt

Sehr deutliche Worte fand Fatih Birol, der Chef der internationalen Energieagentur. Seine Sorge sei, dass viele Menschen den Krieg in der Ukraine nutzten, um wieder mehr fossile Energien zu verwenden. Er verwies auf die enormen Gewinne der Ölbranche: "Im Durchschnitt wurden 1,5 Billionen Dollar im Jahr umgesetzt - jetzt sind es vier Billionen. Das ist einmalig in der Geschichte", sagte Birol. Das bestätigte auch Vicki Hollub von der amerikanischen Ölfirma Occidental. Öl sei genug vorhanden, und sie seien bereit zu liefern.

Eines war nach der rund einstündigen Diskussion klar: Eine einfache Lösung gibt es nicht. Kein Gas und Öl mehr aus Russland? Dafür mehr amerikanisches Öl, arabisches Flüssigerdgas und französische Atomkraft? Langfristig mehr Sonne- und Windkraft - aber wie lange ist langfristig, wenn die Erde sich immer schneller erwärmt?

Trotzdem waren sich am Ende alle einig, dass ohne einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien keines der großen Probleme gelöst werden kann.

Energiesparen als wichtiges Thema

Birol hatte noch einen recht einfachen Lösungsvorschlag: "Wenn wir in diesem Winter die Heizungstemperatur in Europa um zwei Prozent reduzieren, haben wir so viel Gas gespart, wie durch Nord Stream 1 fliest."

Aber wie schwierig das Energiesparen ist, wurde schon am Ende der Diskussionsrunde deutlich. Die Teilnehmenden sollten über eine Frage abstimmen - per Smartphone. Das koste doch auch wieder Energie, so Wirtschaftsminister Habeck. Früher hätte man einfach die Hand gehoben.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell im Hörfunk am 23. Mai 2022 um 13:08 Uhr.