Ein Containerschiff wird in Hamburg auf dem Container Terminal Altenwerder beladen.  | dpa

Erholungstrend abgebrochen Ukraine-Krieg belastet bereits Welthandel

Stand: 07.03.2022 14:19 Uhr

Seit zwölf Tagen führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, und die Belastungen für den Welthandel sind längst spürbar. Laut IfW ist der Erholungstrend der Weltwirtschaft bereits unterbrochen.

Der Ukraine-Krieg hat laut Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bereits im Februar zu einem deutlichen Einbruch des Welthandels geführt. "Die Februarzahlen geben einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges", erklärte der Leiter des Kiel Trade Indicator, Vincent Stamer. Beim Kiel Trade Indicator werden die Handelsflüsse, also die Im- und Exporte, aufgrund der Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in Echtzeit eingeschätzt.  

Die Experten gehen davon aus, dass der Welthandel im Februar im Vormonatsvergleich um 5,6 Prozent zurückgegangen ist. Dabei handele es sich laut IfW um den größten Einbruch seit Beginn der Corona-Pandemie. Der seit einigen Monaten anhaltende Erholungstrend in der Weltwirtschaft sei unterbrochen.

"Obwohl der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erst in der letzten Februarwoche eskalierte, scheinen Unsicherheit, Sanktionen und vermehrte Warenkontrollen zur Einhaltung der Sanktionen den Handel jetzt schon nachhaltig zu beeinträchtigen", unterstrich Stamer.

Scharfer Exportrückgang in Russland

Sehr viel deutlicher wird der Rückgang nach Einschätzung der Experten bei den russischen Exporten ausfallen. Der IfW verzeichnet im Februar im Vormonatsvergleich einen Rückgang um 11,8 Prozent. So seien aus dem Hafen in Sankt Petersburg im Februar 17 Prozent weniger Güter verschifft worden als im Januar. Die russischen Importe verzeichneten danach nur ein leichtes Minus von 1,6 Prozent.

Die Ukraine wird in den Berechnungen nicht separat, sondern nur als Teil der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) erfasst. Für diese Gruppe zeichnete sich für Februar ein Minus von vier Prozent bei den Exporten und ein Plus von 2,3 Prozent bei den Importen ab. Für die Ukraine dürften die Werte jedoch anders aussehen: Laut Positionsdaten von Containerschiffen wurde der wichtigste Hafen des Landes in Odessa am Schwarzen Meer seit Beginn des Krieges von keinem Handelsschiff mehr angefahren.

Sanktionen zeigen Wirkung

"Die Gemengelage im russischen Handel ist unübersichtlich, aber ganz offenbar zeigen die vom Westen verhängten Sanktionen Wirkung. Allein aus Unsicherheit über die Bezahlung dürften russische Exporteure vermehrt Güter zurückhalten", sagte Stamer. "Große Reedereien haben zwar den Stopp ihrer Lieferungen nach Russland verkündet, dies betrifft allerdings nur neue Buchungen. Alte Buchungen werden, sofern diese nicht gegen Sanktionen verstoßen, derzeit noch planmäßig nach Russland verschifft."

Für die Zukunft sind die IfW-Experten naturgemäß skeptisch: "In den kommenden Monaten dürfte sich der Güterhandel zwischen der EU und Russland aufgrund der Sanktionen, Unsicherheit, aber auch freiwilligen Einschränkungen durch Unternehmen und Bevölkerung deutlich reduzieren", erklärte Stamer. "Vermehrte Zollkontrollen, um die Einhaltung der Sanktionen gegen Russland zu überprüfen, können zusätzlich zu Verzögerungen im Seehandel führen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. März 2022 um 09:00 Uhr.