Paletten mit spezieller Säuglingsnahrung stehen vor einem US-Militärflugzeug | via REUTERS

Luftbrücke gestartet Erste Babynahrung erreicht die USA

Stand: 23.05.2022 12:31 Uhr

In den USA herrscht ein massiver Versorgungsengpass bei spezieller Säuglingsnahrung. Ein erstes Militärflugzeug brachte nun von Ramstein in Rheinland-Pfalz aus mehr als 31 Tonnen in die USA. Weitere Flüge werden folgen.

Angesichts massiver Versorgungsengpässe hat die US-Regierung mit einer Militärmaschine Babynahrung des Schweizer Herstellers Nestlé einfliegen lassen. Das Flugzeug mit mehr als 31 Tonnen spezieller Säuglingsnahrung startete im rheinland-pfälzischen US-Stützpunkt Ramstein und landete am Sonntag in Indianapolis, wo sich ein Drehkreuz von Nestlé befindet. Dort soll sie in einem nahe gelegenen Labor auf ihre Qualität geprüft werden, bevor sie verteilt wird. Die Menge soll ausreichen, um mehr als eine halbe Million Babyflaschen zu füllen.

Am Abend kündigte US-Präsident Joe Biden bereits einen weiteren Versorgungsflug für die kommenden Tage an. "Wir haben einen zweiten Flug bekommen, um die spezielle Säuglingsnahrung von Nestlé nach Pennsylvania zu transportieren", erklärte er auf Twitter. "Unser Team arbeitet rund um die Uhr, um allen, die es brauchen, sichere Babynahrung zukommen zu lassen." Die nun in den USA eingetroffene erste Lieferung decke etwa 15 Prozent des unmittelbaren Bedarfs, sagte der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Brian Deese, dem Sender CNN.

Luftbrücke gegen den Mangel

In den USA herrscht seit mehreren Monaten ein Mangel an Säuglingsnahrung. Biden hatte vergangene Woche eine Luftbrücke angekündigt, um den Bedarf durch Lieferungen aus dem Ausland zu decken. Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, wegen der Dringlichkeit würden für die Umsetzung diese "Operation Fly Formula" zunächst Militärflugzeuge aus Ramstein eingesetzt, weil am Wochenende keine kommerziellen Flüge verfügbar gewesen seien. Künftig sollten die meisten Lieferungen aber mit kommerziellen Maschinen abgewickelt werden.

Biden hat die Behebung der Engpässe zur Chefsache erklärt und unter anderem ein für Kriegszeiten gedachtes Gesetz aktiviert, um die Produktion der Säuglingsnahrung anzukurbeln. Das Weiße Haus teilte mit, auf Basis dieses Gesetzes werde dem größten US-Hersteller Abbott und einem weiteren Hersteller Priorität bei der Bestellung von Zutaten für Babynahrung gewährt. So könne Abbott beispielsweise trotz Engpässen in Versorgungsketten mit Vorrang Rohstoffe wie Zucker und Maissirup bestellen.

Produktionsstopp in größtem US-Werk

Eine Kombination mehrere Faktoren ist für die aktuellen Versorgungsengpässe in den USA verantwortlich: In der Corona-Pandemie ging die Produktion von Babymilchpulver wegen Lieferengpässen und Personalmangel zurück. Im Februar stoppte die Firma Abbott nach dem Tod von zwei Säuglingen die Produktion in der größten US-Milchpulverfabrik in Michigan und rief verschiedene Produkt zurück. Die Prüfung der Lebensmittelbehörde ergab inzwischen, dass das Produkt in Ordnung war. Vergangene Woche einigten sich die Behörde und Abbott auf die Wiederaufnahme der Produktion. Abbott-Chef Robert Ford erklärte am Wochenende, dass das Werk in Michigan voraussichtlich in der ersten Juniwoche wieder öffnen könne.

Die Versorgungsenpässe treffen vor allem Säuglinge, die Milch und andere Nahrung nicht verdauen können und deshalb auf Spezialnahrung angewiesen sind. "Es tut uns leid für jede Familie, die wir im Stich gelassen haben, seit unser freiwilliger Rückruf den Mangel an Babynahrung in unserem Land verschärft hat", schrieb Abbott-Chef Robert Ford in einem Beitrag für die "Washington Post". Man glaube dennoch, dass der Rückruf richtig gewesen sei.

US-Regierung fordert mehr Anbieter

Abbott wird nach eigenen Angaben in Maßnahmen investieren, die vergleichbare Engpässe für die Zukunft ausschließen sollen. Bidens Wirtschaftsberater Deese sagte, langfristig sei es nötig, dass es in den USA mehr Anbieter von Babynahrung gebe. Es müsse verhindert werden, dass ein einziges Unternehmen die Lieferketten derart beeinflussen könne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Mai 2022 um 05:30 Uhr.