Gäste am Strand von Antalya | dpa

Boom der Türkei-Buchungen Die Rückkehr der deutschen Touristen

Stand: 24.02.2022 08:00 Uhr

Reiseunternehmen melden bis zu 300 Prozent mehr Frühbuchungen aus Deutschland für die Türkei. Das Land hofft auf die Rückkehr zur Tourismus-Normalität - doch die Entwicklungen in der Ukraine bereiten Sorgen.

Von Markus Rosch, ARD-Studio Istanbul

Milde 20 Grad - und das nur etwas über zwei Flugstunden vom nasskalten Deutschland entfernt. Im kleinen Ort Lara in der Nähe von Antalya an der türkischen Riviera liegt das Hotel Delphin Imperial direkt am kilometerlangen Stand. Auch wenn das Meer noch etwas kühl ist: Erste deutsche Touristen wagen sich schon ins Wasser. "Es läuft endlich wieder gut, auch jetzt schon im Winter", sagt Deniz Ugur, Besitzer und Chef von Bentour Reisen. Zu 80 Prozent seien die Hotels hier ausgebucht - und das, bevor die richtige Saison im April beginne, sagt er der ARD. Vor allem Sport-Touristen und Wellness-Urlauber sind bereits vor Ort.

Markus Rosch ARD-Studio Istanbul

"Verlässliches Reiseziel"

Das von Ugur angebotene Hotel Delphin Imperial hat in der Pandemie nicht zugemacht und den Service inklusive der hohen Corona-Schutzmaßnahmen aufrechterhalten. Das war teuer, zahle sich nun aber aus, sagt der Unternehmer. Die Gäste, von denen viele schon seit Jahren nach Lara kommen, haben das honoriert. "Wir sind ein verlässliches Reiseziel", so Ugur. Er hoffe nun, dass die Infektionszahlen bald zurückgehen und seine Gäste den Urlaub wieder vollständig genießen können.

Die Hygiene-Maßnahmen im sogenannten "Safe Tourism-Programm" sollen erst einmal beibehalten werden. Das heißt für das Delphin Imperial: Keine Selbstbedienung am Büfett, Desinfektion, Abstandsregeln und Maskenpflicht. Bald aber hofft Ugur, dass diese Maßnahmen entfallen können. Dann werde er an die Eigenverantwortung der Gäste appellieren, so der Unternehmer.

Attraktiv durch flexible Angebote

Nachdem die Tourismus-Saison 2020 in der Türkei nahezu ins Wasser gefallen war, gab es 2021 einen kleinen Aufschwung. Die Buchungen sollen bei 70 Prozent des Vor-Corona-Jahres 2019 gelegen haben. Und für 2022 ist nicht nur Ugur, sondern die ganze Reisebranche euphorisch. Bis zu 300 Prozent mehr Buchungen aus Deutschland gibt es schon. "Es verbreitet sich Optimismus", sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reise Verbandes DRV, der sich gerade in der Türkei über die aktuelle Situation vor Ort informiert hat. "Die Buchungen ins westliche und östliche Mittelmeer ziehen spürbar an. Das zeigen auch die Buchungen Richtung Türkei."

Die Türkei ist als Reiseziel für Deutsche besonders attraktiv: gut erreichbar, die Währung gegenüber dem Euro billig, die Temperaturen verlässlich. Zudem bieten viele Reiseunternehmen sogenannte "flexible Angebote" an, bei denen man sich als Frühbucher günstige Preise sichern kann. Bis 14 Tage vor Abflug können die Reisen storniert werden. Dann wird pro Person eine Gebühr von 29 Euro fällig.

Flugbuchungen nehmen zu

Auch Peter Glade, Vertriebschef der deutsch-türkischen Fluggesellschaft SunExpress ist optimistisch. Die Fluglinie, ein Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines mit Sitz in Antalya, bringt seit mehr als 30 Jahren vor allem deutsche Touristen in die Türkei. Die Zahlen seien fast "stärker als vor der Krise", so Glade. Und: Die Deutschen hätten Lust auf die Türkei. Er bemerkt dabei einen neuen Trend: Es gebe vor allem ganz kurzfristige und ganz langfristige Buchungen.

Reiseverbandspräsident Fiebig fordert von der deutschen Politik eine "Rückkehr zur Normalität". Die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz Mitte Februar zur Anpassung der Einstufung von Risikogebieten werden zwar begrüßt. Nun sollen aber Länder wie die Türkei mit einer vergleichsweise niedrigen Inzidenz von dieser Liste, die hundert Länder umfasst, genommen werden. Dies sei "nicht mehr sinnvoll und nachvollziehbar", so Fiebig.

Vor allem das Reisen für Familien mit Kindern unter zwölf Jahren solle erleichtert werden. Denn Familien mit Kindern, die nicht vollständig geimpft sind, sollten ohne das Damoklesschwert der Quarantäne reisen können. Deutschland sei das einzige Land in der EU, das eine solche Regelung für Kinder habe. Ähnlich sieht das Touristik-Unternehmer Ugur, denn "gerade Familien haben unter den Einschränkungen stark gelitten, hier gibt es Handlungsbedarf."

Trotz Ukraine-Krise Hoffnung auf Sommersaison

80 Hotels in seinem Programm seien schon geöffnet, sagt Ugur. In der Hauptsaison, die in der Türkei von April bis Oktober dauert, sollen wieder alle 400 Hotels gebucht werden können - so seine Hoffnung. "Wir wollen einfach nur weg, in die Sonne", sagten ihm viele deutsche Freunde. Ugur hofft, dass dies auch so bleibt.

Mit etwas Sorge blickt er auf den Ukraine-Konflikt. Momentan gebe es zwar keine Buchungsdelle aus Deutschland, so der Unternehmer, aber natürlich erwarten die Hoteliers in der Türkei auch viele Gäste aus Russland und der Ukraine. Die Tourismus-Branche in der Türkei kann sich keine weitere schlechte Saison mehr leisten. Und politische Instabilität wäre eine Katastrophe für die Region.

Doch daran will gerade niemand denken. Daher setzt man in der Türkei besonders auf die deutschen Reiseweltmeister, vor allem in der Feriensaison. Der aktuelle Trend bei den Buchungen könnte diese Hoffnung erfüllen. Dies zeigt: Auch viele Deutsche hoffen, bald wieder an den Stränden von Bodrum, Izmir und Antalya sorgenfrei Urlaub machen zu können.

Über dieses Thema berichtete HR-Info Aktuell am 16. Februar 2022 um 06:00 Uhr.