Fischverkauf auf einem Markt in der Türkei | dpa

Erstmals seit eineinhalb Jahren Inflationsrate in der Türkei sinkt

Stand: 05.12.2022 10:48 Uhr

Nachdem die Inflation in der Türkei im Oktober mit 85,5 Prozent den höchsten Stand seit 24 Jahren markiert hatte, schwächt sie sich im November leicht ab. Verbraucher müssen weiter tief in die Taschen greifen.

Im November ließ die hohe Inflation in der Türkei zum ersten Mal seit etwa anderthalb Jahren nach. Waren und Dienstleistungen legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um durchschnittlich 84,39 Prozent zu, teilte das Statistikamt mit. Im Oktober lag die Inflationsrate noch bei 85,51 Prozent. Preistreiber Nummer eins waren weiterhin die Transportkosten, zu denen Kraftstoffe wie Benzin gehören. Sie erhöhten sich um 107 Prozent.

Lebensmittel und alkoholfreie Getränke erhöhten sich um mehr als 102 Prozent. Auch für den Kauf von Möbeln und Haushaltsgeräten mussten Verbraucher mehr Geld ausgeben: Sie kosteten durchschnittlich 92,83 Prozent mehr als im November 2021.

Inflation wird durch mehrere Faktoren getrieben

Grund für die stark steigenden Preise sind vor allem die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine, durch den viele Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Der bisherige starke Anstieg der Inflation hängt aber auch eng mit der Abschwächung der Lira zusammen: Die Landeswährung hat im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar 44 Prozent an Wert verloren, in diesem Jahr bisher weitere etwa 30 Prozent.

Ökonomen zufolge ist einer der Gründe die Geldpolitik der türkischen Zentralbank. Diese senkte im November trotz hoher Inflation erstmals seit mehr als zwei Jahren ihren Leitzins wieder in den einstelligen Bereich: Er wurde auf 9,0 von 10,5 Prozent zurückgenommen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor gefordert, das Niveau bis Ende des Jahres auf einstellige Werte zu senken. Die Zentralbank hat vor mehr als einem Jahr damit begonnen, ihre Geldpolitik zu lockern. Damals lag der Zinssatz noch bei 19 Prozent.

Leitzinssenkung trotz Rekordinflation

Dieser Kurs widerspricht der gängigen ökonomischen Lehre. Die große Mehrheit der Experten empfiehlt, die hohe Inflation mit höheren Zinsen zu bekämpfen, wie es die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen. Argentinien, wo die Inflationsrate ebenfalls bei mehr als 80 Prozent liegt, hat den Leitzins kürzlich auf 75 Prozent festgesetz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2022 um 11:00 Uhr.