Blick auf Santo Fiora | Jörg Seisselberg

Neue Arbeitswelt Homeoffice im Paradies

Stand: 21.02.2022 04:29 Uhr

Winterwetter in Deutschland? Es gibt Alternativen. In der Toskana bietet ein kleiner Ort für hippe Smartworker beste Arbeitsmöglichkeiten in schönster Umgebung. Das Modell funktioniert.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die sanften Hügel der Toskana, im Rücken den Monte Amiata, vor sich den Fluss Fiora. Ein Ort zum Durchatmen und Seele-baumeln-lassen. Und seit kurzem für einige die richtige Stelle, um zu arbeiten. Santa Fiora, ein Dorf mit 2500 Einwohnern südlich von Florenz, macht sich daran, ein Hotspot für Smartworker zu werden.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Vor kurzem ist ein Glasfaserkabel quer durch die Berge der Toskana nach Santa Fiora gelegt worden, das Highspeed-Internet in den bislang verschlafenen Ort bringt. "Die Idee ist in den ersten Monaten des Lockdowns entstanden, als fast alle Angestellten ins Homeoffice geschickt wurden. Da ist uns der Gedanke gekommen, dass wir einen Haufen leerstehender Häuser hier haben", erzählt Azzurra Radicchi.

Die 2. Bürgermeisterin von Santo Fiora, Azzurra Radicchi. | Jörg Seisselberg

Die 2. Bürgermeisterin von Santo Fiora, Azzurra Radicchi. Bild: Jörg Seisselberg

Win-Win-Situation

Die Überlegung: Santa Fiora sei interessant für alle, die im Homeoffice sind. Sie könnten in einem kleinen Dorf in der Toskana arbeiten, "ohne in einer Stadt eingesperrt zu sein". Radicchi ist 2. Bürgermeisterin und hat gemeinsam mit anderen für die Glasfaseranbindung gekämpft. Jetzt führt aus Santa Fiora eine Datenautobahn in die Internetwelt, die Start-Ups und Smartworker anziehen soll.

Für das idyllische Toskana-Dorf eine Win-Win-Situation. Wie andere abgelegene Orte, leidet auch Santa Fiora unter Bevölkerungsschwund. Jetzt kommen Menschen, deren Geschäftswelt das Internet ist - wie Isla Grossi aus Portugal. "Ich habe weniger erwartet", sagt sie. Jetzt, da sie in Santo Fiora sei und die Leute sie herumführten, sehe sie lauter Dinge, die sie nicht vermutet hätte.

Leben in Santo Fiora. | Jörg Seisselberg

Leben in Santo Fiora. Bild: Jörg Seisselberg

Schnelles Internet und schöne Landschaft

Wie die Thermalquellen in der Nähe und auch die Berge, den Monte Amiata. "Ich finde das hier wirklich gut", lacht Isla Grossi. Die gebürtige Brasilianerin pendelt zwischen Portugal und Schweden, verkauft recycelte Mode über ihren Internetshop. In Santa Fiora genießt sie die gute Internetverbindung in ihrem Apartment, das sie angemietet hat: "Unsere Generation kann den guten Teil einer traditionellen Lebensweise und das Gute der modernen Technologien nehmen und daraus ein Gleichgewicht schaffen".

Das sei das, was gerade passiert. "Die Leute", meint Grossi, "sind freier, sie können machen, was sie wollen, überall auf der Welt arbeiten und leben".

Auch Giampaolo Palma liebt in Santa Fiora das schnelle Internet und die schöne Landschaft. Er arbeitet für ein Mailänder Pharmazieunternehmen, vermietet auch Wohnungen an andere Smartworker. Er weiß, worauf es ankommt: "Eine stabile Internetverbindung, so weit wie möglich sicher, ist wichtig für diejenigen, die zum Smartworking herkommen". Deswegen habe er in den Wohnungen drahtlose Zugangspunkte eingerichtet, "damit alle problemlos arbeiten können".

Problemlose Integration

Außer mit der Datenautobahn lockt Santa Fiora auch mit finanziellen Zuschüssen. Die Gemeinde erstattet Smartworkern und Start-Ups, die in das toskanische Dorf kommen, die Hälfte ihrer Miete. Das Projekt Homeoffice-Paradies, erzählt Azzurra Radicchi, laufe gut an. Nachdem zunächst Italienerinnen und Italiener gekommen seien, gäbe es jetzt immer mehr Anfragen aus dem Rest Europas, aber auch aus den USA oder Südamerika.

Und das Zusammenleben mit den Einheimischen funktioniere. Die Menschen, die gekommen seien, hätten sich problemlos integriert, betont die 2. Bürgermeisterin. Die hippen Smartworker und die Einheimischen würden sich beispielsweise zum Aperitif treffen. "Ich glaube", sagt Azzurra Radicchi, "es ist eine Bereicherung, für die, die gekommen sind, aber auch für die Bevölkerung von Santa Fiora".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 21. Februar 2022 um 05:05 Uhr.