Gasspeicher des spanischen Energieunternehmens Enagas im Hafen von Barcelona. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Gas für Stromerzeugung Spanien bekommt Energiepreisdeckel

Stand: 14.05.2022 16:20 Uhr

Die spanische Regierung hat eine Preisobergrenze für Gas beschlossen, das für die Stromerzeugung genutzt wird. Diese Maßnahme soll für zwölf Monate gelten und Verbraucher entlasten.

Von Franka Welz, ARD-Studio Madrid

Die spanische Regierung ergreift Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise und deckelt die Kosten für Gas, mit dem Strom erzeugt wird. Fast 40 Prozent niedriger sollen dadurch Stromrechnungen für Verbraucher und Unternehmen ausfallen, die einen regulierten Stromtarif haben. Der ist an die Strompreisbörsen gebunden, und Kunden mit einem solchen Tarif spüren jeden Preissprung sofort. Regierungssprecherin Isabel Rodriguez erklärte, das bringe Ruhe in die Wirtschaft, gebe Sicherheit und Klarheit.

Franka Welz ARD-Studio Madrid

"Schutz für Verbraucher und Industrie"

Die Preisobergrenze für Gas für die Stromerzeugung soll zunächst bei 40 Euro pro Megawattstunde angesetzt werden und innerhalb der kommenden zwölf Monate im Schnitt bei knapp 50 Euro liegen - aktuell ist der Preis pro Megawattstunde etwa doppelt so hoch. Teresa Ribera, die spanische Ministerin für den ökologischen Wandel, erklärte, so würden knapp 40 Prozent der privaten Haushalte und 70 Prozent der industriellen Abnehmer entlastet. Die Maßnahme biete Schutz für Verbraucher, Unternehmen und die Großindustrie. 

Ribera kritisierte außerdem die Stromkonzerne: Die hätten in den vergangenen Monaten nicht auf den Anstieg der Strompreise reagiert, sondern einfach hohe Gewinne eingefahren. Die unmittelbarste Auswirkung des Preisdeckels sei, dass künftig nur noch mit Erdgas erzeugter Strom zum Gaspreis bezahlt werde. "Wir schalten damit auch den Ansteckungseffekt für den Rest der Energiewirtschaft aus, den Gaspreiseffekt. Außerdem werden die extrem hohen Gewinne der Energieunternehmen sinken, die zu sehr niedrigen Kosten produzieren", so Ribera.

Konzerne fürchten um ihre Gewinne

Energieversorger wie Iberdrola fürchten um ihre Gewinnmargen, denn sie haben bisher prächtig am bestehenden System verdient. Iberdrola betreibt große Windparks - Wind- und andere Erneuerbare Energien sind vergleichsweise günstig in der Erzeugung. Der Strom ist aber genauso teuer wie der aus Gasturbinen-Kraftwerken, denn Verbraucher mit einem regulierten Tarif zahlen im aktuellen System immer so viel wie an der Börse für den am teuersten produzierten Strom festgelegt wird - und das ist der mit Gas erzeugte. Iberdrola-Chef Ignácio Sánchez Galán hatte unlängst auf einer Veranstaltung erklärt, nur Idioten verblieben in diesem Tarif.

Sánchez Galán hat sich mittlerweile mit einem Post bei Twitter für diese Aussage entschuldigt, zumindest so halb. Er wolle sich aufrichtig entschuldigen, falls jemand durch einige umgangssprachliche Ausdrücke beleidigt worden sei. Eine große Peinlichkeit sei das, befand Ministerin Ribera. "Ich glaube nicht, dass es klug von einem Unternehmer ist, seine Kunden als Dummköpfe zu bezeichnen, schon gar nicht unter diesen Umständen", so die Politikerin.

Preisdeckel auch in Portugal

Die Verordnung zum Preisdeckel dürfte spätestens am Montag im spanischen Amtsblatt veröffentlicht werden und am Tag darauf in Kraft treten. Allerdings steht auch noch die endgültige Genehmigung durch die Europäische Union aus, bevor der Gaspreisdeckel vollständig zur Anwendung kommen kann. Die Preisobergrenze wird gleichzeitig in Spanien und Portugal zum Einsatz kommen. Beide Länder hatten bei der Europäischen Union eine Sonderregelung für sich erwirkt, die es ihnen erlaubt, für zwölf Monate in den Strommarkt einzugreifen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft" am 02. Mai 2022 um 17:18 Uhr.