Das Containerschiff "McKinney Moller" in Cadiz (Spanien).  | dpa

Internationale Schifffahrt Allianz warnt vor Corona-Risiken auf hoher See

Stand: 03.08.2021 16:06 Uhr

Die Wartung von Schiffen verzögert sich, Besatzungen sind oft überlastet - Experten sehen neue Gefahren an Bord durch die Pandemie. Auch wenn die Schifffahrt insgesamt sicherer wird, bleibt Piraterie ein Problem.

Die Corona-Pandemie führt in der weltweiten Schifffahrt zu Sicherheitsrisiken. Zwar habe Corona nur begrenzt direkte Schäden in der Branche verursacht, heiß es im neuen Sicherheits-Bericht der Schiffsversicherung der Allianz. Allerdings seien zum Beispiel verzögerte Wartungen ein Risiko für die Schiffe. "Wir sehen einen Anstieg der Kosten für Kasko- und Maschinenschäden aufgrund von Verzögerungen bei der Herstellung und Lieferung von Ersatzteilen", so Justus Heinrich, Leiter der AGCS für Zentral- und Osteuropa.

Risikoträchtig und eine "humanitäre Krise" seien auch die überlangen Dienstzeiten der Besatzungen. Die Crews seien oft monatelang nicht abgelöst worden. Die jährliche Studie des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) analysiert die gemeldeten Schiffsverluste und -unfälle über 100 Bruttoregistertonnen.

Weniger Schiffsunfälle

Danach sank die Zahl der Schiffsunfälle 2020 leicht auf 2703. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der Unfälle und der Totalverluste von Schiffen stark zurückgegangen. Im Jahr 2020 wurden weltweit 49 Totalverluste von Schiffen gemeldet - ähnlich viele wie im Jahr zuvor (48). Dies entspricht einem Rückgang um die Hälfte innerhalb von zehn Jahren.

An diesem Trend lasse sich ablesen, dass die Schifffahrt immer sicherer werde, so Ralf Nagel vom Verband Deutscher Reeder (VDR) zum AGCS-Bericht. "Dazu tragen auch viele Sicherheitsvorschriften und Kontrollen bei. Es zeigt sich, dass sie wirkungsvoll angewendet werden."

Südostasien bleibt "Hotspot"

Die meisten Totalverluste von Schiffen (16) gab es 2020 in Asien in Südchina und Indochina. Die meisten Schiffsunfälle (579) wurden aber im Meeresgebiet Nordsee, Britische Inseln und Biskaya verzeichnet. Die vielbefahrenen Schifffahrtsrouten im Westen Europas liegen den Angaben zufolge auch im langfristigen Vergleich seit 2011 auf dem zweiten Platz der Unfallträchtigkeit - hinter dem östlichen Mittelmeer und vor Südchina und der Ostsee.

Während global die Zahl der Unfälle insgesamt zurückging, nahmen Brände an Bord großer Schiffe zu. Allein im Jahr 2019 gab es einen Rekord von 40 Bränden im Zusammenhang mit der Ladung an Bord. Über alle Schiffstypen hinweg stieg die Zahl der Feuer oder Explosionen an Bord, die zu einem Totalverlust führten, im Jahr 2020 noch einmal an - auf insgesamt zehn Fälle. Brände beginnen oft in Containern, was die Folge von nicht oder falsch deklarierter gefährlicher Ladung wie Chemikalien und Batterien sein kann.

Trend zu größeren Schiffen birgt Risiken

Der Unfall der "Ever Given" im Suezkanal im März zeige, dass Zwischenfälle mit immer größeren Schiffen aufwändige und damit teure Reaktionen erforderten, heißt es in der Studie. Der quergestellte Frachter mit einer Kapazität von 20.000 Containern hatte das Nadelöhr der Weltschifffahrt tagelang blockiert. Der Frachtverkehr zwischen Europa und Asien wurde massiv gestört.

Die größten Containerschiffe überschreiten mittlerweile die Marke von 20.000 Standardcontainern ("Twenty-foot Equivalent Unit", TEU) an Ladevolumen. Noch größere Schiffe sind bereits in Auftrag gegeben worden. Mit dem Wachstum der Schiffe häufen sich nach Allianz-Angaben auch die Containerverluste auf See. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 3000 Container verlorengegangen.

Das Risiko von Piratenangriffen habe sich in den vergangenen Jahren von Ostafrika vor die westafrikanische Küste in den Golf von Guinea verlagert. 2020 wurden bei 22 registrierten Überfällen 130 Besatzungsmitglieder verschleppt. Am Golf von Guinea ist es im vergangenen Jahr zu 95 Prozent der weltweiten Entführungen von Besatzungsmitgliedern gekommen. In dieser Region wurden 130 Seeleute bei 22 Vorfällen entführt. So viele waren es in einem Jahr noch nie.