Rubelscheine und eine Münzen liegen auf einem Tisch. | picture alliance/dpa

Ankündigung des Finanzministers Vorerst keine russischen Staatsanleihen mehr

Stand: 11.04.2022 15:13 Uhr

Russland will angesichts der Finanzsanktionen keine Staatsanleihen mehr begeben. Wohl auch, weil es dafür kaum noch einen Markt gäbe: Mittlerweile haben alle großen Ratingagenturen die Bonitätsbewertung eingestellt.

Wegen der Sanktionen des Westens hat Russland angekündigt, im weiteren Jahresverlauf keine Staatsanleihen mehr auf den internationalen Märkten zu platzieren. Die Einnahmen des Kremls unter anderem aus dem Verkauf von Öl und Gas reichten aus, um die laufenden Ausgaben des Staates zu decken, zitierte die Zeitung "Iswestija" den russischen Wirtschaftsminister Anton Siluanow.

Der Minister verwies auf die hohen Kosten, die derzeit mit einer weiteren Schuldenaufnahme für den russischen Staat verbunden wären. Eine solche Maßnahme mache keinen Sinn, denn die Kosten "wären astronomisch", so Siluanow. Der russische Staat müsste derzeit hohen Zinsen bieten, um Investoren für seine Anleihen zu gewinnen. Darüber hinaus ist Russland aufgrund westlicher Sanktionen von einem großen Teil der Finanzwelt ausgeschlossen, was den Käuferkreis stark einschränkt.

Ohnehin bezweifeln Experten, dass angesichts der Risiken derzeit überhaupt ein Interesse ausländischer Investoren an russischen Staatsanleihen bestünde. Zudem ist der Zahlungstransfer gestört. Die großen Abwicklungszentren der Börsen und die Banken haben das Geschäft mit Russland teilweise oder ganz gestoppt - aus Furcht, die Sanktionen zu verletzen.

Ratingagentur sieht Teil-Zahlungsausfall

Weil Russlands Devisenreserven wegen der westlichen Sanktionen weitgehend blockiert sind, hat das Land die Tilgungszahlungen von zwei Anleihen inzwischen in Rubel und nicht wie vorgesehen in Dollar beglichen. Ratingagenturen bewerten die Situation äußerst kritisch. Am Wochenende stufte die US-Ratingagentur Standard & Poors (S&P) die Kreditwürdigkeit Russlands abermals herunter - auf "Selective Default". Damit wird ein teilweiser Zahlungsausfall gekennzeichnet.

Man erwarte nicht, dass die Anleihegläubiger die Rubel-Zahlung in einen adäquaten Dollar-Betrag umtauschen könnten, begründete S&P die Entscheidung. Auch sei nicht zu erwarten, dass die russische Regierung eine verbleibenden Frist von 30 Tagen noch nutze, um Dollar-Zahlungen zu leisten. Künftige Sanktionen würden die Fähigkeit Russlands, seinen Verpflichtungen gegenüber ausländischen Gläubigern nachzukommen, weiter behindern.

Laut Kreml "keine objektiven Gründe" einer Zahlungsunfähigkeit

Außerdem hat S&P die Bewertung der russischen Kreditwürdigkeit eingestellt - wie zuvor beiden anderen führenden Ratingagenturen Moody‘s und Fitch. Hintergrund sind Sanktionen der Europäischen Union, die es den Agenturen verbieten, die Kreditwürdigkeit Russlands künftig zu bewerten.

Die russische Führung stellte sich dem Urteil der Ratingagentur entgegen. Für eine Zahlungsunfähigkeit gebe es keinen Grund, Russland habe genügend Mittel, um seine Schulden zu bezahlen, sagt der Sprecher des Präsidialamtes in Moskau, Dmitri Peskow. "Es kann nur eine technische, von Menschen verursachte Zahlungsunfähigkeit geben", so Peskow. "Es gibt keine objektiven Gründe für einen solchen Ausfall. Russland hat alles, was es braucht, um alle seine Verpflichtungen zu erfüllen."