Laster in einem Kohlebergwerk im russischen Kemerovo | AP

Billige Energie aus Russland Indiens drittgrößter Kohlelieferant

Stand: 04.08.2022 13:48 Uhr

Russland ist nach dem Angriff auf die Ukraine zum drittgrößten Kohlelieferanten Indiens aufgestiegen. Auch russisches Erdöl und Düngemittel sind in Indien sehr gefragt.   

Russland ist mittlerweile Indiens drittgrößter Kohlelieferant. Die indischen Kohleeinfuhren wuchsen im Vergleich zum Juni um mehr als ein Fünftel auf die Rekordmenge von 2,06 Millionen Tonnen, geht aus den heute veröffentlichten Daten der indischen Beratungsfirma Coalmint hervor. In der Vergangenheit war Russland der sechstgrößte Kohlelieferant Indiens, hinter Indonesien, Südafrika, Australien und den USA, wobei Mosambik und Kolumbien abwechselnd unter den ersten fünf Ländern lagen.

Wegen des Ukraine-Kriegs haben etwa die Europäische Union und Japan ein Kohleembargo gegen Russland verhängt. Russland hatte sich aber unbeeindruckt gezeigt und auf eine große Nachfrage weltweit verwiesen.

Hohe Preisnachlässe als Anreiz

Indien ist der zweitgrößte Kohleproduzent, -importeur und -verbraucher der Welt. Das südasiatische Land hat in der Vergangenheit vor allem Kokskohle, die hauptsächlich in der Stahlindustrie verwendet wird, aus Russland importiert. Australien ist hier der andere wichtige Lieferant. Die hohen Preisnachlässe, die russische Lieferanten den indischen Kunden in den vergangenen Monaten anboten, haben jedoch einen Anreiz geschaffen, mehr Kraftwerkskohle zu kaufen.

Diese wird vor allem für die Stromerzeugung verwendet. Die Einfuhren von Kraftwerkskohle aus Russland stiegen im Juli um 70,3 Prozent im Vergleich zum Juni auf einen Rekordwert von 1,29 Millionen Tonnen, während die Einfuhren von Kokskohle um mehr als zwei Drittel auf über 280.000 Tonnen zunahmen.

Importe aus Russland vervielfacht

Indien geht davon aus, dass die jüngste Genehmigung der heimischen Zentralbank für Zahlungen von Rohstoffen in der Landeswährung Rupie den bilateralen Handel mit Russland erheblich beflügeln wird. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sind die Importe aus Russland um fast das Fünffache auf mehr als 15 Milliarden Dollar gestiegen.

Denn auch andere russische Güter sind in Indien sehr gefragt. Die "Washington Post" berichtet, dass der Import von Düngemitteln aus Russland in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen sei. Mittlerweile sei Russland Indiens Toplieferant von Dünger, wie aus Daten der indischen Regierung hervorgehe. Das US-Finanzministerium hatte am 14. Juli klargestellt, dass landwirtschaftliche Produkte und Düngemittel von den US-Sanktionen ausgenommen sind. Auch der Import von russischem Sonnenblumenöl ist stark gestiegen.

Ölimporte drastisch gestiegen

Indien greift ferner immer mehr auf russisches Öl zurück. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unlängst berichtete, liefere Russland aktuell rund eine Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag. Nach Angaben des Datenanbieters Refinitiv hatte Russland im vergangenen Jahr täglich nur 0,06 Millionen Barrel nach Indien geliefert. Im Januar und Februar dieses Jahres beispielsweise bezog Indien überhaupt kein Öl aus Russland, wie Daten des Rohstoff-Analyse-Unternehmens Kpler zeigen.      

Auch Öl aus Russland ist für Indien deshalb so interessant, weil der russische Staat Preisnachlässe gewährt, während die Energiepreise auf dem Weltmarkt zum Teil deutlich zugelegt haben.

Wie sehr leidet Russlands Wirtschaft?

Inwieweit die Sanktionen der westlichen Welt der russischen Wirtschaft vor dem Hintergrund des Handels mit anderen Weltregionen schaden, wird derzeit breit diskutiert. Eine Studie der Yale School of Management hatte unlängst ein katastrophales Bild der russischen Wirtschaft gezeichnet. Die Sanktionen westlicher Staaten seit Beginn der Invasion in die Ukraine hätten "nicht nur funktioniert", sondern "die russische Wirtschaft auf allen Ebenen gründlich lahmgelegt."

Moskau hingegeben betont stets, es handele sich bei den Sanktionen zwar um schmerzliche Einschnitte. Sie schadeten aber den Urhebern mehr als der russischen Ökonomie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Februar 2022 um 15:01 Uhr.