Eingang des Finanzministeriums in Moskau | imago images/ITAR-TASS

Tilgung in Rubel statt Dollar Russischer Zahlungsausfall rückt näher

Stand: 06.04.2022 15:22 Uhr

Erstmals hat Russland fällige Zins- und Tilgungszahlungen für Dollar-Anleihen in Rubel geleistet. Damit rückt das Land einem technischen Zahlungsausfall näher - obwohl es eigentlich zahlungsfähig wäre.

Die Hängepartie um die fälligen Zins- und Tilgungszahlungen Russlands geht in die nächste Runde. Moskau hat die Zahlungen für zwei Fremdwährungsanleihen erstmals nicht in Dollar, sondern in Rubel geleistet. Dieses Geld könne in Dollar umgetauscht werden, sobald die Russische Föderation wieder Zugang zu ihren vom Westen eingefrorenen Devisenkonten erhalte, hieß es in einer Mitteilung des russischen Finanzministeriums.

"Russland hat alle notwendigen Ressourcen, um seine Schulden zu bedienen", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. "Wenn diese Blockade fortgesetzt wird und die Zahlungen zur Bedienung der Schulden blockiert werden, könnten sie in Rubel erfolgen."

Kreml will eigene Reserven nicht antasten

Bislang hatte das US-Finanzministerium die Zahlungen Russlands an seine Anleihegläubiger aus den eingefrorenen Dollar-Konten bei US-Banken fallweise gestattet. Davon war es am Montag abgewichen und hatte die Auszahlung der fälligen 649,2 Millionen Dollar blockiert. Mit dem Schritt sollte Russland gezwungen werden, seine unter direkter Kontrolle befindlichen Devisenreserven anzugreifen.

Dazu ist Moskau offenbar nicht bereit. Experten zufolge bleibt Russland nun noch eine Frist von 30 Tagen, um dieses Geld doch noch in Dollar zu überweisen. Andernfalls werde der Vorgang "zum formalen Zahlungsausfall Russlands bei Auslandsschulden", wie der Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck twitterte.

Wäre Russland bei Zahlungsausfall "pleite"?

Unklar ist, ob ein solcher "formaler Zahlungsausfall" in dieser ungewöhnlichen Situation tatsächlich als "Staatsbankrott" oder "Staatspleite" zu bezeichnen wäre. Tatsächlich ist Russland nach Ansicht von Experten durchaus noch zahlungsfähig.

"Theoretisch könnte eine Ausfallsituation geschaffen werden, aber das wäre eine rein künstliche Situation", sagte Kreml-Sprecher Peskow. "Es gibt keine Gründe für einen echten Zahlungsausfall."

Internationale Gläubiger halten derzeit insgesamt 15 Anleihen der russischen Föderation mit einem Nennwert von rund 40 Milliarden Dollar. Die Ausgabe weiterer Anleihen an westlichen Finanzmärkten wurde dem Land im Rahmen der Sanktionen bis auf Weiteres verwehrt. Auch wenn es wieder Zugang zu den Finanzmärkten hätte, könnte sich Russland dort erst frisches Geld leihen, wenn seine Gläubiger vollständig befriedigt und alle aus dem drohenden Ausfall resultierenden Rechtsstreitigkeiten beigelegt sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. April 2022 um 17:22 Uhr.