Eine obdachlose Frau kauert sich an eine Hauswand in Frankfurt am Main.

Oxfam-Bericht "Für Milliardäre gleicht Pandemie einem Goldrausch"

Stand: 17.01.2022 07:58 Uhr

Die Corona-Pandemie hat die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht. Die Organisation Oxfam fordert ein Gegensteuern der Regierungen weltweit. Auch in Deutschland sollten Vermögende stärker in die Pflicht genommen werden.

Die Corona-Pandemie verschärft soziale Ungleichheit weltweit. Zu diesem Schluss kommt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem Bericht, den sie kurz vor Beginn der digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums veröffentlich hat. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre zwischen März 2020 und November 2021 verdoppelt habe, lebten mehr als 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut. Oxfam forderte von den Regierungen weltweit, Konzerne und Superreiche zur Finanzierung sozialer Grunddienste stärker zu besteuern, für globale Impfgerechtigkeit zu sorgen und die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten.

Die Ungleichheit sei auch eine Frage von Leben und Tod, heißt es in dem Bericht. Schätzungsweise 17 Millionen Menschen seien an Covid-19 gestorben. Von ihnen könnten Millionen noch am Leben sein, wenn sie eine Impfung bekommen hätten. Der Oxfam-Bericht gibt unter anderem der ungerechten weltweiten Impfstoff-Verteilung die Schuld dafür. Die Vakzine müssten als öffentliches Gut behandelt werden, auch weil Regierungen ihre Entwicklung mit viel Steuergeld gefördert hätten, erklärt die Organisation.

Regierungsmilliarden kommen oft Reichen zugute

Mehr als 100 Länder haben laut Studie in der Krise die Sozialausgaben gekürzt und in mindestens 73 Ländern drohen mit der Rückzahlung von Covid-19-Krediten des Internationalen Währungsfonds weitere Sparmaßnahmen. Das Nachsehen hätten besonders die Frauen, von denen 13 Millionen weniger erwerbstätig seien als vor zwei Jahren. Gleichzeitig habe die unbezahlte Arbeit von Frauen und Mädchen, die beispielsweise für die Familie sorgten, erheblich zugenommen.

"Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Großteil ist bei Menschen hängengeblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren. Während ihr Vermögen so schnell wächst wie nie zuvor und einige von ihnen Ausflüge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen", sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. Gemeint sind Unternehmer wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg.

Wirtschaft am Gemeinwohl ausrichten

Oxfam fordert daher von den Regierungen weltweit, Konzerne und Superreiche stärker zu besteuern und die daraus gewonnenen Einnahmen für soziale Grunddienste einzusetzen. Die Wirtschaft müsse am Gemeinwohl ausgerichtet werden. Im Vorwort des Oxfam-Berichts schreibt die US-amerikanische Dokumentarfilmerin und Millionenerbin Abigail Disney: „Allein die Milliardäre haben in den vergangenen zwei Jahren astronomisch viel Geld gemacht – sie können es sich problemlos leisten, mehr zu zahlen.“

Auch in Deutschland nehme die „sehr starke Konzentration der Vermögen“ ebenfalls weiter zu. So hätten die zehn reichsten Personen Vermögen seit Beginn der Pandemie von umgerechnet rund 125 Milliarden Euro auf etwa 223 Milliarden Euro gesteigert und somit um rund 78 Prozent. Dieser Gewinn entspreche annähernd dem Gesamtvermögen der ärmsten 40 Prozent, also von 33 Millionen Deutschen. Die Armutsquote in Deutschland erreiche derweil mit etwa 16 Prozent und mehr als 13 Millionen Menschen einen Höchststand.

Bundesregierung soll Vermögenssteuer wieder einführen

Von der Bundesregierung forderte Oxfam Deutschland, Konzerne und sehr Vermögende stärker in die Pflicht zu nehmen. So müsse die Vermögensteuer wieder eingeführt werden und es brauche eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen. Der Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe müsse ausgesetzt werden.

Die für diese Woche geplante Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos war wegen der Corona-Lage verschoben worden. Stattdessen bringt die Stiftung digital Spitzenpolitiker zusammen, so will Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch eine Rede halten. Oxfam ist nach eigenen Angaben eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die weltweit Menschen mobilisiere, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. 21 Oxfam-Organisationen arbeiten dafür zusammen mit rund 4100 lokalen Partnern in 90 Ländern.

Mit Informationen von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 17. Januar 2022 um 07:34 Uhr.