Arbeiter trägt Jacke mit Aufschrift Nord Stream 2 | dpa

Nord Stream 2 Gas auch im zweiten Pipeline-Strang

Stand: 17.12.2021 15:17 Uhr

Letzte Vorbereitungen laufen für eine Inbetriebnahme der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2. Die deutsche Seite bremst weiter, doch die Entscheidung soll laut Kanzler Scholz "ganz unpolitisch" fallen.

Seit heute wird der zweite Strang der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 mit Gas befüllt. Das teilte die Betreibergesellschaft Nord Stream 2 AG mit. Dies diene dazu, den erforderlichen Druck aufzubauen, der nötig sei für einen Gastransport durch die Röhre.

Die Befüllung mit sogenanntem technischen Gas werde "etwa vier Wochen dauern", so die Pipeline-Gesellschaft, hinter der Russlands Energiekonzern Gazprom steht. Diese Vorbereitungen seien der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme.

Hinweis auf die Netzagentur

Deutschland beharrt indes darauf, dass eine Inbetriebnahme vorerst noch nicht möglich ist. Im Januar werde noch kein russisches Gas aus der Pipeline verkauft werden können, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Voraussetzung sei die Zulassung, sagte sie mit Hinweis auf die Bundesnetzagentur.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, hatte erst gestern gesagt, dass mit einer Erlaubnis für den Gastransport nicht im ersten Halbjahr des kommenden Jahres zu rechnen sei. Das Zertifizierungsverfahren hatte die Behörde im November vorerst ausgesetzt. Die Zertifizierung komme nur dann in Frage, wenn die Betreiberfirma nach deutschem Recht organisiert sei, hieß es. Dem will die Nord Stream 2 AG mit Sitz im schweizerischen Zug mit Gründung einer deutschen Tochtergesellschaft entsprechen.

"Privatwirtschaftliches Vorhaben"

Die mehr als 1230 Kilometer lange Ostseepipeline verbindet Russland mit Deutschland. Sie war im September fertiggestellt worden. Die Befüllung des ersten Strangs mit Gas war laut Betreiber im Oktober abgeschlossen worden. Gegner des Projekts kritisieren die Leitung als geopolitisches Machtinstrument Russlands. Mehrere EU-Länder fordern von Deutschland, die Pipeline im Ukraine-Konflikt mit Moskau als Druckmittel einzusetzen.

Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete Nord Stream 2 dagegen als "privatwirtschaftliches Vorhaben", über das nicht mehr politisch entschieden werde. Es sei nur noch eine Teilfrage vor der Inbetriebnahme zu klären, sagte der SPD-Politiker am Freitagmorgen nach Abschluss des EU-Gipfels. Die Entscheidung werde nach EU-Recht "ganz unpolitisch" durch eine Behörde in Deutschland fallen.

Karte Nord Stream 2

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2021 um 23:36 Uhr.