Kühe stehen und liegen auf einer Weide in Neuseeland | AP

Neuseelands Milchindustrie Kuhtoilette im Test

Stand: 06.06.2022 15:12 Uhr

Neuseeland ist der weltweit wichtigste Exporteur von Milch und Milchprodukten. Die ganzjährige Haltung der Kühe auf Weiden schafft aber auch große Umweltprobleme. Ein Lösungsansatz: eine Kuhtoilette.

Neuseeland ist die Molkerei der Welt. Das Land ist nicht der größte Erzeuger, aber der größte Exporteur von Milch, Butter und Käse. Mehr als 22 Millionen Tonnen Milch produzieren die 6,5 Millionen Kühe des Südpazifik-Staates jedes Jahr. Damit sind die Rinder wirtschaftlich längst wichtiger als die Schafe.

Kuhurin als Gefahr für das Grundwasser

Das milde Klima in Neuseeland erlaubt es, die Herden das ganze Jahr über auf der Weide zu lassen. Das spart Stall- und Futterkosten. Es ist allerdings auch eine immense Belastung für die Umwelt.

Mehr als 20 Millionen Liter Kuhurin versickern Tag für Tag im Boden, verseuchen das Grundwasser, laufen in Flüsse und Seen. Sie bilden Nitrat- und Stickstoffoxid, ein Treibhausgas, das 300-mal schädlicher ist als das meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel genannte CO2.

"Moo-Loo" als mögliche Lösung

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die neuseeländischen Medien kürzlich geradezu frenetisch einen Biologen feierten, dem es erstmals gelang, Kühe darauf zu trainieren, auf die von ihm entwickelte Kuhtoilette zu gehen.

In einem Forschungsprojekt am deutschen Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Mecklenburg-Vorpommern ist diese Kuhtoilette - mit dem Namen "Moo-Loo" - erprobt worden. Dabei versuchten die Forscher insgesamt 16 Kühen beizubringen, zum Urinieren einen speziellen Stallbereich aufzusuchen.

Belohnung durch Futter

Dazu wurden die Tiere dort hineingeführt und mit Futter fürs Urinieren belohnt. Anschließend brachten die Wissenschaftler die Kühe in einen angrenzenden Teil des Stalls und belohnten sie, wenn sie den "Moo-Loo" aufsuchten. Kühe, die außerhalb der Toilette urinierten, wurden für drei Sekunden mit Wasser besprüht und so bestraft. Am Ende des Trainings wurden die Distanzen zum "Moo-Loo" vergrößert.

Dem Verhaltensbiologen Lindsay Matthews zufolge zeigte sich nach den Trainings-Einheiten, dass sich elf der Tiere auf die Kuhtoilette eingestellt hatten. "Am Ende haben drei Viertel der Tiere drei Viertel des Urinierens in der Toilette getätigt", sagte der Wissenschaftler von der University of Auckland, der auch Fellow an der Universität Münster war, Radio New Zealand.

Seine Idee will Matthews jetzt auch in andere Länder exportieren. Wenn man die Kühe auf der ganzen Welt quasi wiesenrein bekäme, dann seien das Milliarden, ja Billionen Liter Urin, die nicht mehr im Boden versickerten, so der Biologe.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur.