US-Notenbank-Chef Jerome Powell und Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, unterhalten sich am Rande eines Notenbanktreffens im Jackson Hole im Jahr 2018 | picture alliance/dpa/FR171608 AP

US-Bundesstaat Wyoming Milliardäre in der Wildnis

Stand: 20.06.2021 09:34 Uhr

In Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht - und neuerdings auch die reichsten Menschen des Landes. Sie werden angelockt von unberührter Natur - und niedrigen Steuern.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

Den Traum von einer Ranch in der Wildnis der nördlichen Rocky Mountains macht Immobilien-Makler Andrew Ellett wahr. Zu ihm kommen Millionäre und Milliardäre, wenn sie nach dem perfekten Stück Land mitten im Nirgendwo suchen: Er hat es.

Jule Käppel ARD-Studio Washington

"Bei diesem Grundstück können Sie Ihre Pferde satteln und direkt in den Wald reiten für Hunderte Meilen", sagt Ellet. Zum Anwesen gehören 120 Hektar Land, ein Haupthaus mit mehreren Hundert Quadratmetern Wohnfläche, ein Gästehaus mit drei Schlafzimmern, und für die Anzahl der Pferde auf der Ranch gibt es keine Obergrenze. Auch das ist hier im Westen der USA, im Bundesstaat Wyoming, ein wichtiges Verkaufsargument. Der Preis: 4,6 Millionen Dollar. Ein guter Deal im Vergleich zum edlen Holzhaus am Fluss für Superreiche, die gern Fliegenfischen. Das kostet fast 18 Millionen.

Exklusive Immobilien mitten im Nirgendwo

Das sei das Beste an Jackson Hole, sagt der Makler: Man könne in der Nähe der Stadt sein, und trotzdem fühle es sich so ländlich an. Höchstens dreimal im Jahr kann der Makler von Engel und Völkers eine einsame Ranch anbieten. Nur drei Prozent des Landes in der Gemeinde sind privat. Der Rest ist unverkäuflich. 

Berge und weite Täler, Wälder und kristallklare Seen sind das Zuhause von Elchen, Bisonherden, Bären - und auf den Wiesen tanzen Wildblumen in der Sommerbrise. Ein Idyll mit drei Skigebieten und gleich zwei Nationalparks vor der Tür. Einer davon ist der berühmte Yellowstone Nationalpark.

Naturidylle mit niedriger Steuerlast

In diese Gegend im Norden des Cowboy-Bundesstaates ziehen die reichsten Menschen der USA. Aber sie lieben nicht nur die Landschaft. Die Gemeinde sei eine der größten Steueroasen in den Vereinigten Staaten, erklärt Ben Williamson. "Die Grundsteuer ist minimal, es gibt keine Einkommenssteuer." Der 28-jährige Williamson ist dagegen, dass unberührte Natur zur Geldanlage wird.

Der Geschäftsführer der Naturschutz-Genossenschaft der Nördlichen Rockies findet es "absurd", dass diese isolierte Region das höchste Pro-Kopf-Einkommen des Landes hat - mehr als 250.000 Dollar. In Manhattan ist es fast ein Drittel weniger.

Bisons grasen im Grand Teton Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming | AFP

Im nahen Grand Teton Nationalpark strahlen grasende Bisons die Kraft der unberührten Natur aus. Bild: AFP

Reiche Neubürger erschweren das Leben der anderen

Die Leute, die nicht zum reichsten einen Prozent gehören, hätten eine harte Zeit, um auszukommen, sagt Williamson. Denn in den vergangenen Jahren sind mit den Marktpreisen für Luxusimmobilien auch die Mieten explodiert. Während der Corona-Pandemie sind noch mehr Menschen aus den Metropolen an der West- und Ostküste umgesiedelt. Zu den Hedgefonds-Managern, CEOs und Filmschauspielerinnen kamen nun auch die Homeoffice-Angestellten mit viel Geld.

Für die alteingesessenen Einwohner des Städtchens, die sich um die Ranches kümmern, um Hotelgäste oder Patienten im Krankenhaus, sind die Wohnungen zu teuer geworden. Sie weichen auf die benachbarten Gemeinden aus, fahren über den Pass fast eine Stunde zur Arbeit. Bei Schnee gibt es manchmal kein Durchkommen. Und dann ist Jackson Hole, der Sehnsuchtsort der Milliardäre, tagelang von der Welt abgeschnitten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 15. Juni 2021 um 06:17 Uhr in der Sendung "Studio 9".