Der Salton Sea im US-Bundesstaat Kalifornien | AFP

Riesige Lithium-Vorkommen Kalifornien im weißen Goldrausch

Stand: 06.02.2022 10:35 Uhr

Ohne Lithium geht in der Tech-Welt nichts. Das "weiße Gold" steckt vor allem in Batterien. In Kalifornien schlummern gigantische Vorkommen. Kommt es zu einem neuen Goldrausch im "Golden State"?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Das "weiße Gold" Kaliforniens, wie es bereits genannt wird, befindet sich an einem unwirklichen Ort: dem Salton Sea im Süden des Bundesstaates. Ein ehemaliges Urlaubsparadies, in dem jetzt niemand mehr leben will. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde der See, der etwa drei Autostunden entfernt von Los Angeles liegt, als Erholungsgebiet angepriesen, in dem sich auch Stars wie Frank Sinatra oder die Beach Boys aufhielten. Mittlerweile gilt der Salton Sea als Giftmüllhalde: Die Hotels sind zu Bruchbuden geworden, die Arbeitslosigkeit in der einst prosperierenden Region ist hoch.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Die Natur hat es schwer gegen das Salz

Schuld ist unter anderem die immense Verschmutzung des Sees - unter anderem durch die umliegende Landwirtschaft, erklärt Michael Cohen von der Forschungsinstitution Pacific Institute: "In dem Wasser landen so viele Düngemittel und es hat einen so hohen Salzgehalt, dass es für Fische immer schwieriger wird, dort zu leben. Und damit gibt es für die Vögel immer weniger Nahrung, also bleiben sie weg."

Der Salton Sea ist künstlich entstanden, durch einen Unfall im Jahr 1905, als eine Pipeline brach und zwei Jahre lang Wasser in die Salton-Senke lief. Der See hat derzeit weder Zu- noch Abflüsse. Das Wasser verdunstet einfach und hat deswegen einen Salzgehalt, der weitaus höher ist als im Meer. Das führt immer wieder zu Umweltkatastrophen: 1999 starben rund 7,6 Millionen Fische in dem übersalzenen Gewässer.

Ein Schatz, der schwer zu bergen ist

Doch unter dem trüben, grau-braunen Wasser liegt ein riesiger Lithium-Schatz, der etwa 40 Prozent des derzeitigen Weltbedarfs decken könnte, wie Experten meinen. Drei Firmen stehen in den Startlöchern, um das wertvolle Metall aus dem Boden zu holen. "Wir denken, dass wir 90.000 Tonnen pro Jahr herausholen können - in einem Markt, in dem weltweit 300.000 Tonen pro Jahr gefördert werden", sagt Jonathan Weisgall von Berkshire Hathaway, einer der Firmen, die den Lithium-Abbau vorantreiben. "Wir würden damit nicht nur die Nummer Eins in den USA werden, sondern könnten mit Firmen aus Australien und Südamerika konkurrieren", so Weisgall gegenüber einem lokalen Fernsehsender.

Karte mit Kalifornien und dem Salton Sea

Das meiste Lithium wird in Südamerika abgebaut, dann folgen Australien und China. Den Vereinigten Staaten, die sich vorgenommen haben, dass 2030 jeder zweite Neuwagen elektrisch sein soll, käme eine solide eigene Lithium-Produktion gerade recht. Doch es gibt ein Problem: Bisher hat noch niemand Lithium im großen Stil abgebaut. Das sagt auch Weisgall und versucht auf diese Weise, die Erwartungen etwas zu dämpfen: "Im Labor hat das geklappt, wir müssen zeigen, dass es auch hochskaliert geht. Wir wollen uns beeilen, aber wir müssen krabbeln, bevor wir gehen und gehen, bevor wir rennen."

Denn in Kalifornien würde das Lithium nicht aus Minen abgebaut, sondern mit Hilfe von Geothermie-Kraftwerken gewonnen. Elf Kraftwerke holen derzeit heißes Solewasser aus der Erde. Mit dem Dampf werden Turbinen betrieben, das Wasser wird anschließend zurückgepumpt. Aus diesem Wasser soll künftig das Lithium extrahiert und umgewandelt werden. 2023 soll es frühestens losgehen.

Auch Umweltorganisationen unterstützen Pläne

Der Hunger nach Lithium ist groß, die Erwartungen ebenso. General Motors hat sich bereits bei einer der Firmen miteingekauft. "Wir haben das, was einige als das Saudi-Arabien des Lithiums beschrieben haben", sagte Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der den Abbau des Metalls mit Steuergutschriften in Höhe von 350 Millionen US-Dollar vorantreiben will.

Protest gegen den geplanten Lithiumabbau gibt es bis jetzt kaum, im Gegenteil: Es könne ein "dreifacher Gewinn für Kalifornien, die Region und die USA" sein, wenn es richtig gemacht wird, sagt beispielsweise Frank Ruiz von der Umweltorganisation Audubon dem Radiosender NPR. Die Bürger vor Ort hoffen, dass der Metallabbau Jobs bringt und Geld, das wiederum in den Schutz der umliegenden Natur gesteckt werden kann, um den Salton Sea aus seinem Totenschlaf aufzuwecken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. Februar 2022 um 19:15 Uhr.