Die taiwanesische Repräsentanz in der litauischen Hauptstadt Vilnius | AFP

Streit über Taiwan China blockiert Handel mit Litauen

Stand: 06.12.2021 17:07 Uhr

China hat den Handel mit Litauen komplett ausgesetzt. Es werden weder Waren in das baltische Land geliefert, noch umgekehrt in China eingeführt. Hintergrund ist der schwelende Streit über den Status Taiwans.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Lange Gesichter am größten Hafen Litauens in Klaipeda: "Unsere Kunden stornieren den Transport nach China, weil Chinesen keine Waren kaufen und auch nicht importieren", sagt Justas Kairys. Er ist Chef eines Logistikunternehmens. "Der Handel mit China sei vorbei, sagen sie." Durch das Verhalten seiner Kunden spürt Kairys die Auswirkungen der Blockade litauischer Produkte direkt.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Als Handelspartner nicht mehr existent

Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass China Litauen offenbar aus der offiziellen Zolldatenbank gelöscht hat. Damit existiert Litauen als Importeur nicht mehr. Seit Tagen berichten litauische Unternehmen, dass ihre Waren blockiert würden - so etwa ein Holzhändler oder auch der Präsident des Verbandes der Bierbrauer, Saulius Galadauskas: "Es gibt viel Enttäuschung. Container mit dem Bier unserer Mitglieder werden zurückgewiesen", sagt er. Derzeit befänden sich in einem der Häfen Container mit zwei Biersorten. "Außerdem wird unser Bier in China auch aus den Geschäften entfernt - litauische Waren sind unerwünscht."

Monatelanger Konflikt

Dieser Handelsstreit ist ein weiterer Höhepunkt eines bereits seit Monaten schwelenden Konflikts zwischen den beiden sehr ungleichen Ländern: China kritisiert die Annäherung zwischen Litauen und Taiwan. Mitte November eröffnete in Vilnius eine Vertretung, die offiziell den Namen Taiwan trägt. Für China ein Affront, weshalb das Land bereits im Sommer seinen Botschafter aus Litauen abzog und die diplomatischen Beziehungen vor einigen Wochen offiziell herabstufte.

Litauen mische sich in innere Angelegenheiten ein, so der Vorwurf. Das stimme nicht, sagt Litauens Präsident Gitanas Nausėda: "Wir müssen die Entscheidung der chinesischen Regierung bedauern. Leider wurde sie getroffen, obwohl Litauen in Bezug auf die Taiwan-Repräsentanz klar gesprochen und kommentiert hat", so Nausėda. "Sie widerspricht nicht dem Ein-China-Prinzip, an dem wir festhalten."

Unterstützung aus Brüssel?

Die Blockade der Waren ist für die litauische Wirtschaft zunächst kein größeres Problem. Den meisten Handel betreibt das Land mit anderen EU-Ländern; der chinesische Markt macht nach Angaben des litauischen Finanzministers Gintarė Skaistė gerade mal ein Prozent aus. Für die direkt betroffenen Unternehmen könne der Handelsstopp jedoch das Aus bedeuten. So warnte der Präsident der litauischen Industrievereinigung in einem Hörfunkinterview, dass die ersten Firmen ihre Sitze bereits nach Lettland oder Polen verlegt hätten.

Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis kündigte unterdessen an, dass man sich in dieser Woche an die EU-Kommission wenden und um Unterstützung bitten werde. Aus Peking wiederum gibt es noch kein offizielles Statement zu der angeblichen Handelsblockade.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 06. Dezember 2021 um 16:23 Uhr.