Ein Landwirt fährt auf einem Traktor durch Felder am Rande der Stadt Mau Narok in Kenia.  | picture alliance / dpa

"Hello Tractor" Eine App hilft Afrikas Bauern

Stand: 05.12.2021 15:12 Uhr

In Kenia sind landwirtschaftliche Geräte für viele Kleinbauern unbezahlbar. Über eine Smartphone-App können sie die Maschinen mieten - nach dem Prinzip des Taxidienstes "Uber".

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Dominic Kimani hat es eilig. So schnell wie möglich fährt er mit seinem Traktor über die Straße. Er ist auf dem Weg zu einem Bauern, dem er sein Feld umpflügen soll. Der Landwirt hat ihn über eine App gebucht. "Früher standen wir vor den Einkaufszentren und haben darauf gewartet, dass jemand vorbeikommt und unseren Traktor mietet", sagt Kimani. "Mit dieser App erreiche ich jetzt Kunden aus der ganzen Umgebung, und es ist viel leichter geworden, Arbeit zu finden."

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Auch die Tankfüllung wird angezeigt

Kimani fährt selbst über die Felder. Andere Verleiher geben ihren Traktor an die Kunden ab. Alles wird organisiert durch die App "Hello Tractor", die es in Kenia seit vier Jahren gibt. "Bei uns kannst du jederzeit sehen, wo sich dein Traktor gerade befindet", werben die Macher für ihre App. "Du kannst sogar prüfen, wie viel noch im Tank ist."

Eine Entwicklung aus Afrika

Die Anwendung wird inzwischen in 13 afrikanischen Ländern genutzt. Der Geschäftsführer von "Hello Tractor", Folu Okunade, ist stolz darauf, dass die Idee komplett auf dem Kontinent entwickelt wurde. "Wir haben zwei Hauptstandorte in Nigeria und in Kenia. Unsere Entwickler und unsere anderen Mitarbeiter sind alle von hier und kennen darum die Gegebenheiten sehr gut", sagt Okunade. "Jedes Jahr werden nur etwa 15.000 Traktoren in Subsahara-Afrika verkauft. Es fehlt damit an den nötigen Maschinen für die Feldarbeit, um den ganzen Kontinent ernähren zu können."

Lohnende Investition für Bauern

"Hello Tractor" will dabei helfen, die Lücken zu schließen. Die Anwendung funktioniert ähnlich wie die Taxi-App Uber. Bauern können Landmaschinen buchen und bezahlen eine Leihgebühr. Von der gehen 90 Prozent an den Traktor-Besitzer, zehn Prozent verdient das Unternehmen. Eine Besonderheit ist allerdings noch ein Gerät, das im Traktor montiert wird. Es kostet einmalig etwa 80 Euro plus eine Jahresgebühr.

"Es hat ein GPS und auch eine internationale Sim-Karte. Der Besitzer kann darüber alles überprüfen", erklärt Okunade. "Er kann nicht nur sehen, wie weit sein Traktor gefahren ist, sondern auch, wie viel er tatsächlich im Einsatz war." Das ist wichtig, um die korrekte Leihgebühr festzulegen. Im Schnitt zahlen die Farmer umgerechnet zwischen 20 und 30 Euro. Das sei eine Investition, die sich auszahle, sagt der Landwirt Emmanuel Kioko: "Wenn ich mein Feld mit einem Traktor umpflüge, kann ich etwa 35 Säcke Mais ernten. Mache ich alles in Handarbeit, sind es nur zehn Säcke. Das ist ein großer Unterschied für einen Kleinfarmer wie mich."

Dank der App bleibt mehr Geld übrig

Mit Hilfe der App werden die Erträge der Bauern verbessert. Gleichzeitig nehmen Traktorbesitzer wie Dominic Kimani genug ein, um die Raten für ihre Fahrzeuge abzustottern. "Diese App hat mir sehr geholfen. Jetzt kann ich leicht die Schulgebühren für meine Kinder bezahlen, mein Darlehen tilgen und es bleibt noch genug übrig, um den Traktor regelmäßig zu warten", sagt Kimani.

Etwa 40.000 Farmer verwenden die App inzwischen allein in Kenia. "Hello Tractor" hofft auf weiteres Wachstum. Schließlich bestellen immer noch die meisten  Kleinbauern in Afrika ihre Felder ohne technische Hilfsmittel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2021 um 05:40 Uhr.