Zwei Jungen laufen über von der Dürre aufgebrochene Erde im Dorf Gakong im Norden von Kenia am 10.09.2009. | dpa

Folgen des Klimawandels Armen Ländern droht Wirtschaftseinbruch

Stand: 08.11.2021 08:25 Uhr

Armen Ländern und kleinen Inselstaaten droht laut einer Studie in den nächsten Jahrzehnten ein drastischer Einbruch ihrer Wirtschaftskraft - als Folge des Klimawandels. Besonders betroffen ist Afrika.

Die Wirtschaftsleistung ärmerer Länder und kleiner Inselstaaten könnte einer Studie zufolge klimabedingt stark zurückgehen. Den 65 untersuchten armen Ländern und kleinen Inselstaaten drohe beim derzeit zu erwartenden Klimawandel bis 2050 im Schnitt ein Rückgang ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 19,6 Prozent, heißt es einer Studie im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Christian Aid, die von der Klima-Analytikerin Marina Andrijevic von der Berliner Humboldt-Universität koordiniert wurde.

Bis zum Jahr 2100 sei mit einem Rückgang von 63,9 Prozent zu rechnen, heißt es weiter. Diesen Zahlen liegt die Annahme zugrunde, dass die Erderwärmung im Jahr 2100 die Marke von 2,9 Grad über dem Niveau vorindustrieller Zeit erreicht hat.

Afrika hart getroffen

Sollte die Welt mit ihren Klimaschutzmaßnahmen auf den Pfad kommen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, läge der BIP-Verlust durch den Klimawandel im Durchschnitt bei diesen Ländern noch immer bei 13,1 Prozent bis 2050 und bei 33,1 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts.

Besonders stark leidet den Studienautoren zufolge Afrika unter den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels: Dort befinden sich acht der zehn am stärksten betroffenen Länder. Die zehn Staaten müssen der Untersuchung zufolge auf dem jetzigen klimapolitischen Pfad mit einem BIP-Einbruch um mehr als 70 Prozent bis zum Jahr 2100 rechnen. Selbst bei Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels werde der Rückgang ihrer Wirtschaftskraft aber noch rund 40 Prozent betragen.

Um den BIP-Rückgang der Länder einzuordnen, sollte man berücksichtigen, dass Ökonomen bei den Industrieländern üblicherweise mit weiterem Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren und Jahrzehnten rechnen. Wenn das BIP der ärmeren Länder dagegen sinken sollte, wird der Abstand zwischen diesen Regionen also drastisch größer.

 

Entwicklung ernsthaft gefährdet

Die Studie wurde anlässlich des Themenschwerpunkts klimabedingte Schäden und Verluste bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow veröffentlicht. Sie zeigt aus Andrijevics Sicht, dass durch den Klimawandel "die Fähigkeit der Länder im globalen Süden, sich nachhaltig zu entwickeln, ernsthaft in Gefahr gebracht wird und dass die politischen Entscheidungen, die wir jetzt treffen, entscheidend für die Vermeidung weiterer Schäden sind". 

Die HU-Wissenschaftlerin hob hervor, dass die Prognosen der Studie nur auf dem zu erwartenden globalen Temperaturanstieg beruhten, nicht aber die sich dadurch verstärkenden Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen berücksichtige. Der wirkliche Schaden könne daher noch höher ausfallen.

Die deutsche Klimaforscherin Friederike Otto vom Londoner Imperial College führte aus, extreme Hitze könne das Arbeiten im Freien in tropischen Ländern und am Äquator "unmöglich" machen. Den betreffenden Ländern entstehe dadurch "wachsender wirtschaftlicher Schaden".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2021 um 06:00 Uhr.