Türkische Lira | picture alliance / AA

Teuerungsrate nimmt zu Türkische Inflation steigt auf 73,5 Prozent

Stand: 03.06.2022 12:25 Uhr

Die Inflation in der Türkei steigt weiter. Im Mai kletterte sie nach offiziellen Angaben auf 73,5 Prozent. Schätzungen unabhängiger Beobachter liegen mehr als doppelt so hoch.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Die Teuerungsrate in der Türkei steigt und steigt. Im Mai lag sie offiziellen Angaben zufolge bei 73,5 Prozent. Unabhängige Wirtschaftsexperten gehen sogar von einer Rate von mehr als 160 Prozent aus. Das Beispiel Speiseöl macht das Ausmaß der Inflation deutlich: Die Fünf-Liter-Flasche der günstigeren Sorte hat vor einem Jahr umgerechnet keine fünf Euro gekostet, diesen Mai musste man knapp neun Euro bezahlen.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Wert der Lira fällt immer weiter

Und das Leben in der Türkei wird weiter teurer. So legten die Energie- und Spritpreise zum Monatsbeginn nochmal deutlich zu, Erdgas beispielweise um 30 Prozent. Hintergrund ist zum einen, dass die türkische Währung weiter an Wert verliert. Für einen Euro bekommt man im Moment mehr als 17 Lira. Zum anderen wirken sich beispielsweise die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs aus.

Auch Alkohol ist erheblich teurer geworden. Eine Flasche des typisch türkischen Raki-Schnaps kostete Ende vorigen Jahres noch etwas mehr als zehn Euro, jetzt fast doppelt soviel. Hintergrund hier ist allerdings eine massive Steuererhöhung: Alkoholische Getränke werden in der Türkei stark besteuert.

Spekulationen über vorgezogene Wahlen

Für die Menschen im Land wird es immer schwerer, ihren täglichen Bedarf zu decken. Viele verdienen Mindestlohn. Der wurde zwar Anfang des Jahres angehoben, gleicht die Inflation aber nicht annähernd aus. Er liegt im Moment bei umgerechnet rund 250 Euro pro Monat. Die Renten sollen zum 1. Juli steigen, um wie viel, ist noch nicht bekannt. Aktuell beträgt die Mindestrente gut 140 Euro.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommt durch die wirtschaftlichen Probleme immer mehr unter Druck. In einer aktuellen Umfrage liegt seine Partei, die AKP, unter 30 Prozent. Spekulationen, dass er die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr auf dieses Jahr vorzieht, nehmen zu.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juni 2022 um 11:40 Uhr.