Motorradfahrer an einer Tankstelle in Izmir, Türkei | picture alliance / GocherImagery

Preise steigen schneller Türkei jetzt mit 70 Prozent Inflation

Stand: 05.05.2022 11:13 Uhr

In der Türkei ist die Inflationsrate abermals kräftig gestiegen. Im April lagen die Verbraucherpreise knapp 70 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Erzeugerpreise verdoppelten sich im selben Zeitraum.

Die Verbraucherpreise in der Türkei sind im April so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 69,97 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt mitteilte. Dazu trugen steigende Öl- und Rohstoffpreise infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine ebenso bei wie die Abwertung der Landeswährung Lira, durch die Importe teurer werden. Zum Vergleich: Die Inflationsrate in Deutschland lag im April bei 7,4 Prozent, was der höchste Stand seit 1981 ist.

Kein Ende in Sicht

Die Preise im türkischen Transportsektor - zu dem etwa Benzin gerechnet wird - zogen mit 105,9 Prozent besonders stark an. Aber auch Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich mit 89,1 Prozent überdurchschnittlich stark. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Inflation aufgrund des Ukraine-Kriegs noch bis Ende 2022 außergewöhnlich hoch bleiben wird.

Schwache Lira mitverantwortlich

Viele Ökonomen geben der Talfahrt der Lira eine Mitschuld an der Entwicklung. Der Wertverfall der Landeswährung steht im Zusammenhang mit einer Serie von Zinssenkungen der Notenbank in der Vergangenheit. Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet sich selbst als "Zinsfeind". Er will mit niedrigen Zinsen die Konjunktur anschieben. Die Regierung hat erklärt, dass die Inflation im Rahmen ihres neuen Wirtschaftsprogramms zurückgehen wird. Dieses sieht niedrige Zinssätze zur Ankurbelung von Produktion und Exporten vor.

Leitzins bei 14 Prozent

Die Zentralbank hat ihren Leitzins in bislang vier Sitzungen in diesem Jahr stabil bei 14 Prozent gehalten. Dabei müsste sie nach Einschätzung der meisten Ökonomen die Zinssätze anheben, um die Währung attraktiver machen. Die Lira hat im vergangenen Jahr 44 Prozent ihres Wertes zum Dollar eingebüßt, was wiederum die Inflation befeuert. Die Notenbank geht davon aus, dass der Höhepunkt des Preisauftriebs im Juni erreicht wird. Einstellige Inflationsraten erwartet sie erst 2024.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Mai 2022 um 17:00 Uhr.