Hafen von Shanghai | dpa

Handelsstreit mit den USA China bleibt gesprächsbereit

Stand: 05.10.2021 10:36 Uhr

Die US-Regierung zeigt sich im Streit mit China unbeirrt, will aber wieder ins Gespräch kommen. Peking wertet das als "positives Signal", warnt aber auch vor weiteren Zwangsmaßnahmen.

Nach einer Rede der US-Handelsbeauftragten Katherine Tai über die Handelsspannungen mit China zeigt sich die Führung in Peking weiterhin offen für Gespräche. Fachleute in China sähen in der Rede ein "positives Signal", berichtet die staatliche Zeitung "Global Times", die häufig als englischsprachiges Sprachrohr der chinesischen Führung verstanden wird. Das Bitten Tais um "freimütige Gespräche" könne ein Hinweis darauf sein, dass die USA bereit seien, den Handelsstreit pragmatischer zu lösen, zitiert die "Global Times" Gao Lingyun von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften.

Vereinbarte Ziele nicht erreicht

Tai hatte in ihrer Rede betont, es gehe den USA um eine "anhaltende Koexistenz", die auf Respekt und Normen basiere. "Wir müssen direkt und ehrlich sein über die Herausforderungen, vor denen wir stehen, und über das große Risiko, uns diesen nicht zu stellen", so Tai. Falls China die Regeln aber nicht einhalte, müsse die US-Regierung alle Instrumente nutzen, die ihr im Interesse der US-Wirtschaft zu Verfügung stünden. Sie schloss neue Sonderzölle gegen China nicht aus.

Konkret geht es um ein Teilabkommen von 2019, in dem China zugesagt hatte, bis Ende 2021 Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar in den USA zu kaufen, vor allem Öl und Gas, Industriegüter und Agrar-Produkte. Bisher habe China diese Zusagen nicht eingehalten, so Tai.

Wenn die vereinbarten Ziele noch nicht erreicht wurden, liege das an der Corona-Pandemie, zitiert die "Global Times" einen weiteren Experten. Sollte die US-Regierung unter Joe Biden die Zwangsmaßnahmen gegen China deshalb verschärfen, würde das "eine verschärfte Konfrontation auslösen und für die USA nach hinten losgehen", so der Experte.

Wenig Alternativen für die USA

Die Pläne der US-Regierung zeigten auch, dass Strafzölle nicht den gewünschten Effekt erzielten, sagt Lingyun in der "Global Times". Die USA hätten keine Alternativen für chinesische Produkte gefunden. Strafzölle schadeten zudem auch Verbrauchern und Herstellern in den USA.

Seit Juni 2018 befinden sich China und die USA im Handelsstreit. Der damalige US-Präsident Donald Trump hatte Strafzölle auf Importe aus China im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar eingeführt. Ein Jahr später verhängte er Strafzölle auf fast alle eingeführten Produkte aus China im Wert von 500 Milliarden US-Dollar. China reagierte seinerseits ebenfalls mit neuen Zöllen.

US-Präsident Biden kritisierte die Sonderzölle im Wahlkampf 2020 als "schädlich für US-Verbraucher, Landwirte und Hersteller". Er versprach, die Zölle im Fall seiner Wahl aufzuheben. Die neue Regierung habe aber feststellen müssen, dass Chinas unfaire Handelspraktiken der amerikanischen Wirtschaft schadeten, heißt es jetzt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 05. Oktober 2021 um 14:20 Uhr.