Hafen Antwerpen | picture alliance / blickwinkel/W

Antwerpen und Zeebrügge Europas neuer Superhafen

Stand: 12.02.2021 16:10 Uhr

Jahrhundertelang waren die beiden belgischen Containerhäfen Zeebrugge und Antwerpen Rivalen - nun schließen sie sich zusammen. Das birgt Chancen auch für die deutsche Wirtschaft.

Von Michael Schneider, ARD-Studio Brüssel

Die beiden belgischen Containerhäfen Zeebrugge und Antwerpen wollen zum wichtigsten Handelsplatz Europas werden. Vertreter der Städte Brügge und Antwerpen, der flämischen Regierung und der Hafenbehörden gaben grünes Licht für die Fusion der beiden Häfen und betonten, dass damit ein neues Kapitel der Handelsgeschichte aufgeschlagen werde.

Michael Schneider ARD-Studio Brüssel

"Es ist ein historisches Ereignis, dass die Häfen von Antwerpen und Brügge-Zeebrugge jetzt so eng zusammenkommen", sagte der Bürgermeister von Brügge, Dirk de fauw. "Dass wir gemeinsam in See stechen. Denn es gab auch Zeiten, da haben wir uns als Konkurrenten verstanden. Und haben auch im Ausland gegeneinander um den Handelsverkehr geworben."

Tiefwasserhafen im Binnenland

Tatsächlich waren die beiden flämischen Handelsstädte über Jahrhunderte erbitterte Wettbewerber. Antwerpen ist mit seinem Tiefwasserhafen im Binnenland an den Ufern der Schelde einer von Europas größten Umschlagplätzen für Stückgut und Container. 2019 wurden hier insgesamt 238 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen.

Das gut 100 Kilometer westlich gelegene Zeebrugge wurde an der Küste gegründet, als der Hafen der Handelsstadt Brügge im 15. Jahrhundert versandete. Hier bestehen historisch wichtige Verbindungen über den Kanal auf die britischen Inseln. Außerdem ist der Hafen ein wichtiges Terminal für Erdgas. Beide Akteure passen gut zusammen, findet Wirtschaftsprofessor Thierry Vanelslander von der Universität Antwerpen.

"Zeebrugge ist ein Hochseehafen, Antwerpen liegt viel weiter im Land - und damit auch dichter am Hinterland. Sie setzen auf unterschiedliche Kunden", sagt Vanelslander. "Antwerpen ist stark bei Containern und bei Stückgut. Zeebrugge setzt mehr auf den Autoexport und ist zu einem Energiehafen herangewachsen. Also es sind zwei sehr komplementäre Häfen."

Anderthalb Jahre lang wurde über die zukünftige Organisationsform debattiert. Von einer losen Partnerschaft bis zu gemeinsamen Aufsichtsgremien waren dabei verschiedene Szenarien im Gespräch. Die vollständige Fusion sei nun die beste Möglichkeit, um Gewinn zu maximieren und Herausforderungen zu begegnen, etwa dem Klimawandel.

Hoffnung auf neue Jobs

Der neue Superhafen soll sich um Wasserstoffterminals bewerben, außerdem soll durch eine Verteilung der Aufgaben auch unnötiger Verkehr reduziert werden. Vor allem aber winken gute Geschäfte, räumt die Vertreterin der Stadt Antwerpen Annick de Ridder ein. "Durch die Bündelung der Kräfte hoffe man, noch stärker auf dem Markt auftreten zu können", so de Ridder. "Die Häfen würden nun attraktiver für Investitionen und für neue Kunden. Das könne Arbeitsplätze in beiden Regionen schaffen. Aber auch die internationale Marke bekäme nun einen zusätzlichen Auftrieb."

Das ist eine klare Kampfansage auch an das nur etwas weiter nördlich gelegene Rotterdam, Europas größten Containerhafen. Antwerpen und Zeebrugge wollen unter der Marke "Hafen von Flandern" ihren zweiten Platz stabilisieren und die Verfolgung aufnehmen - schon in den vergangenen Jahren waren die belgischen Häfen stetig gewachsen. Auch für die deutsche Wirtschaft und Industrie sind die beiden Handelsplätze wichtig. Über Schienen und Autobahnen sind sie bestens angeschlossen an das Ballungszentrum des Ruhrgebiets. Auch hier dürfte der Superhafen bald auf die Suche nach neuen Kunden gehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2021 um 18:40 Uhr.