Die Büros in Canary Wharf in London sind zum Teil beleuchtet. | REUTERS

Strom- und Gaspreise Energiepreisdeckel für britische Firmen

Stand: 21.09.2022 15:38 Uhr

Im Kampf gegen explodierende Energiekosten will Großbritannien auch die Strom- und Gaspreise für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen einfrieren. Von Oktober an wird für ein halbes Jahr ein Preisdeckel gelten.

Die neue britische Regierung von Premierminsterin Liz Truss greift angesichts der hohen Energiepreise den Firmen des Landes unter die Arme: Sie präsentierte nun Pläne, denen zufolge ab Oktober für zunächst sechs Monate die Rechnungen für Strom und Gas von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen vom Staat durch die Festlegung einer Preis-Obergrenze gedeckelt werden sollen. Ziel sei es, Unternehmen dabei zu helfen, den Winter zu überstehen. Für Geschäfte und Pubs werde es auch über die Sechs-Monats-Phase hinaus finanzielle Hilfe geben.

Zusammenbruch der Firmen stoppen

Konkret habe die Regierung einen "Großhandelspreis festgesetzt", der rund der Hälfte des zu erwartenden Preises entspreche, erklärte das für Energie und Unternehmen zuständige Ministerium. Demnach soll Strom dann 211 Pfund (241 Euro) pro Megawattstunde (1000 Kilowattstunden) kosten und Gas 75 Pfund. Dies sei weniger als die Hälfte des derzeit erwarteten Preises, hieß es. Die Differenz zwischen dem festgelegten und dem tatsächlichen Marktpreis wird dann durch den Staat ausgeglichen. Der Preisdeckel gilt auch für öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kirchen, Kliniken und Wohltätigkeitsorganisationen.

"Wir schreiten ein, um den Zusammenbruch von Unternehmen zu stoppen, Arbeitsplätze zu schützen und die Inflation zu begrenzen", sagte Finanzminister Kwasi Kwarteng. Zudem solle die Energieversorgung aus britischen Quellen gestärkt werden, um der Branche Sicherheit zu bieten, das Wachstum anzukurbeln und Verbrauchern ein besseres Angebot machen zu können. Nach drei Monaten soll geprüft werden, ob das Programm verändert oder ausgeweitet werden muss oder beendet werden kann.

Wie viel die Hilfe kosten wird, bezifferte die Regierung zunächst nicht. Dies hängt sowohl vom Energieverbrauch als auch von der Entwicklung der Marktpreise ab. Die Summe wird sich aber voraussichtlich auf mehrere Milliarden Pfund belaufen.

Handelskammer: Probleme kommen trotzdem

Der Handelskammerverbund BCC begrüßte den Schritt grundsätzlich. Allerdings würden trotz der Hilfen einige Unternehmen Probleme bekommen, warnte BCC-Generaldirektorin Shevaun Haviland. Die Regierung müsse diese Firmen bevorzugt behandeln. Auch der Branchenverband British Beer and Pub Association forderte weitergehende Unterstützung. Die Regierung müsse erklären, wie es nach den sechs Monaten Unterstützung weitergehe, sagte Verbandschefin Emma McClarkin.

Die Inflation in Großbritannien hatte im August einen Rekordwert von 9,9 Prozent erreicht - angetrieben durch die Energiepreise. Am Freitag will die britische Regierung Details ihrer Hilfen für Bevölkerung und Wirtschaft und deren Finanzierung vorstellen.

Zuvor hatte die Regierung bereits angekündigt, die Energiepreise für Privatverbraucher einzufrieren. Ein durchschnittlicher Haushalt soll dann 2500 Pfund für Strom und Gas zahlen, das ist allerdings deutlich mehr als die 1971 Pfund, die derzeit zugelassen sind.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. August 2022 um 12:20 Uhr.