Englische Fußballfans jubeln | REUTERS

England im Finale EM-Euphorie hilft britischer Wirtschaft

Stand: 09.07.2021 14:41 Uhr

Englands Fußball-Nationalmannschaft steht am Sonntag zum ersten Mal im Finale einer Europameisterschaft. Die Euphorie der Fans kurbelt nicht nur die Umsätze der Pubs an.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen der EM-Euphorie und der britischen Wirtschaft? Finanzminister Rishi Sunak ist davon überzeugt: "Ja, ich denke, den gibt es", sagt der Politiker. Offensichtlich ist, dass die Pubbetreiber profitieren. Einige von ihnen sagen sogar, dass der Erfolg der englischen Mannschaft ihnen die Existenz rettet, denn die Gäste kommen nicht nur zahlreich, sondern sie bleiben auch länger. Laut Barclaycard haben die Briten bereits am ersten EM-Wochenende im Vergleich zum Wochenende davor in Pubs 4,5 Prozent mehr ausgegeben. Der Wert dürfte seither eher weiter gestiegen sein.

Imke Köhler ARD-Studio London

Finalteilnahmen als Push für die Wirtschaft?

Finanzminister Sunak glaubt aber, dass sich die EM auch darüber hinaus positiv auf die konsumgetriebene Wirtschaft auswirken wird: "Der Fußball stärkt das Verbrauchervertrauen noch weiter. Das ist inzwischen wieder zurück auf dem Niveau, das vor der Pandemie herrschte. Und Dinge, die dazu führen, dass wir uns gut fühlen, sind gut für die Wirtschaft."

Bei der WM 2018 hatte der Centre for Retail Research, der Einzelhandelsdaten analysiert, geschätzt, dass die Briten knapp drei Milliarden Pfund zusätzlich ausgeben würden, falls England das Finale erreichen sollte. Damals war für die Three Lions aber im Halbfinale Schluss.

Die Corona-Regeln wirken weiter

Allerdings gibt es auch Skepsis, was die Ankurbelung der Wirtschaft betrifft. Kritische Stimmen glauben nicht, dass mehr ausgegeben wird, sondern nur, dass sich die Ausgaben anders verteilen. Auch gelten wegen Corona nach wie vor die Abstandsregeln, die den Umsatz der Pubs und Restaurants begrenzen.

Vor dem Halbfinale zwischen England und Dänemark war der britische Bier- und Pub-Verband davon ausgegangen, dass statt der sonst möglichen zwölf Millionen Pints nur knapp sieben Millionen verkauft werden würden. Wie viele Briten am Tag nach dem Halbfinale trotzdem erst mal ihren Rausch ausschlafen mussten und krankgefeiert haben, ist noch unklar.

Sterling hat nichts mit Sterling zu tun

Dagegen sind sich die Analysten der Deutschen Bank an einem anderen Punkt schon sicher. Sie haben für alle, die sich im Fußball-Rausch befinden, einen international gültigen Tipp, der da lautet: Die Leistung von Stürmer Raheem Sterling sagt - trotz der Namensgleichheit - nichts über die Entwicklung des Pfund Sterling aus. Zwischen der Performance auf dem Spielfeld und der an den Devisenmärkten bestehe leider kein Zusammenhang, so die Analysten. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2021 um 13:54 Uhr.