Schlepper arbeiten an der Freisetzung des Containerschiffs "Ever Given" im Suezkanal. | VIA REUTERS

Blockierter Suezkanal "Ever Given" sitzt mit Bug noch fest

Stand: 29.03.2021 11:58 Uhr

"Wie ein Wal auf dem Strand" liegt laut dem Bergungsunternehmen vor Ort der vordere Teil der "Ever Given". Noch immer blockiert das Containerschiff den Suezkanal. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

Vor zu schnellem Jubel hat das niederländische Bergungsunternehmen gewarnt, das mit der Freilegung des Containerschiffes im Suezkanal beauftragt ist. Die "Ever Given" sei nur am hinteren Teil freigelegt worden. "Aber der Bug sitzt noch völlig fest", sagte Peter Berdowski, Chef des Unternehmens Boskalis im niederländischen Radio. "Es bewegt sich was, das ist die gute Nachricht", sagte Berdowski. Aber für Entwarnung sei es zu früh.

In der Nacht war mit Hilfe eines schweren Schleppers das Heck vom Boden losgelöst worden. Dadurch konnte das 400 Meter lange Schiff um 20 Grad drehen. Das schwierigste sei nun aber die Loslösung des Bugs, so der Boskalis-Chef. Der liege "wie ein Wal auf dem Strand".

Heck ein Stück frei

Das Heck des Frachters habe sich inzwischen um 102 Meter vom Ufer entfernt, hatte der Chef der ägyptischen Kanalbehörde SCA, Osama Rabie, zuvor mitgeteilt. Zuvor habe das Heck nur einen Abstand von vier Metern zum Ufer gehabt. Die "Ever Given" sei zu "80 Prozent in die richtige Richtung" gewendet worden, erklärte Rabie.

Die Bergungsfirma hofft nun, mit Hilfe eines weiteren Schleppers im Laufe des Tages das Schiff völlig zu befreien. Sollte das nicht gelingen, müssten möglicherweise doch Container abgeladen werden. Das ist nach den Worten des Experten sehr zeitraubend.

Suezkanal: Wichtige Handelsroute

Der 193 Kilometer lange Suezkanal ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa. Er verkürzt die Fahrstrecke für Handelsschiffe um mehrere Tausend Kilometer. 2020 durchfuhren laut der Kanalbehörde fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zufolge fahren 98 Prozent der Containerschiffe durch den Suezkanal, wenn sie zwischen Deutschland und China unterwegs sind.

Hohe Flut bei Vollmond hilfreich

Die Hilfs- und Bergungsteams am Suezkanal hatten mit Schleppern und Baggern über Tage versucht, das Schiff zu befreien, das am Dienstag der vergangenen Woche auf Grund gelaufen war.

Geholfen hat bei der Freielegung des Hecks nun wohl auch die hohe Flut bei Vollmond in der vergangenen Nacht. Beteiligt sind zehn Schlepper.

Rund 370 Schiffe warten auf Durchfahrt

Das 400 Meter lange Containerschiff hatte die wichtige Schiffsroute in beide Richtungen blockiert. Einige Reedereien waren in der Folge dazu übergegangen, ihre Schiffe um die Südspitze Afrikas herumfahren zu lassen. An den Kanalzufahrten stauten sich nach Angaben der Kanalbehörde zuletzt etwa 370 Schiffe, darunter 25 Öltanker.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte bereits angeordnet, die teilweise Entladung von Containern vorzubereiten, falls die Versuche zur Freilegung weiterhin erfolglos bleiben sollten. Durch die tagelange Blockade gingen dem Kanal täglich Einnahmen von rund 13 bis 14 Millionen US-Dollar verloren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. März 2021 um 11:53 Uhr.

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Moderation 29.03.2021 • 16:56 Uhr

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