Gasleitungen mit Absperrventilen und Druckanzeigern führen in einen Erdgasspeicher der Ungarischen Gasspeicher Gesellschaft. | dpa

EU-Energiemarkt im November Ein Viertel weniger Gasnachfrage

Stand: 05.12.2022 11:03 Uhr

Obwohl die Temperaturen zuletzt deutlich gesunken sind, hat die EU auch im November deutlich weniger Erdgas nachgefragt als in den Jahren zuvor. Offenbar wirken Sparbemühungen und die Suche nach alternativen Energiequellen.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben ihre Nachfrage nach Erdgas trotz zuletzt eher winterlicher Temperaturen auch im November deutlich reduziert. Vorläufige Daten des Rohstoffanalysten ICIS zeigen, dass die Gasnachfrage der EU-Staaten im vergangenen Monat wie schon zuvor im Oktober rund 24 Prozent unter einem Fünf-Jahres-Durchschnitt lag. Darüber berichtet die "Financial Times".

Vor allem die beiden größten Gasverbraucher, Italien und Deutschland, konnten ihre Nachfrage jeweils um mehr als 20 Prozent senken, wie aus den ICIS-Daten hervorgeht. Das bestätigen auch Zahlen der Bundesnetzagentur aus der vergangenen Woche: Ende November lag der Gasverbrauch in Deutschland nach Angaben der Behörde rund 21 Prozent unter dem durchschnittlichen Verbrauch der vergangenen vier Jahre.

Milder Herbst sorgt für hohe Füllstände

Der niedrige Verbrauch im Oktober liegt Experten zufolge auch daran, dass der Herbst in Europa in diesem Jahr zunächst besonders mild war. Außerdem habe die Industrie ihren Gasverbrauch deutlich reduziert, sagte Tom Marzec-Manser, europäischer Gasanalyst bei ICIS, der "Financial Times".

In Deutschland und Europa sind deswegen auch die Gasspeicher ungewöhnlich gut gefüllt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegt der Füllstand in Deutschland derzeit bei rund 98 Prozent. Allerdings prognostiziert die Behörde einen steigenden Verbrauch in Deutschland, da weiterhin niedrige Temperaturen erwartet werden.

Suche nach Alternativen

Die niederländischen TTF-Gasfutures, der europäische Referenzkontrakt, notieren am Montagmorgen bei 134 Euro pro Megawattstunde. Damit sind sie wieder leicht gesunken, nachdem sie in der vergangenen Woche mit 150 Euro pro Megawattstunde dem höchsten Stand seit mehr als einem Monat erreicht hatten.

Die EU-Länder versuchen bereits seit Monaten, ihre Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu reduzieren, in dem sie alternative Quellen erschließen. So schloss etwa Deutschland in der vergangenen Woche einen 15-Jahres-Deal mit Katar über die Lieferung von jährlich 2,76 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas (LNG) ab. Außerdem hat etwa der Energiekonzern RWE mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) des Emirats Abu Dhabi einen Vertrag über die Lieferung von 137.000 Kubikmetern Flüssiggas bis Ende Dezember abgeschlossen.