Elefanten laufen durch die Savanne | AP

Neue Regeln in Kraft EU verschärft Verbot des Elfenbein-Handels

Stand: 11.01.2022 11:13 Uhr

In der EU sind neue Regeln für den Verkauf von Elfenbein in Kraft getreten. Die Verbote von Einfuhr und Handel sind ausgeweitet worden, um die Ausnahmen für altes Elfenbein zu beschränken.

Von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel

Es war der größte Fund illegal gehandelten Elfenbeins, der in Deutschland jemals gemacht wurde - und einer der größten in ganz Europa: Was Zollbehörden und Grenzschützer am Flughafen Berlin-Schönefeld Ende des Jahres 2020 aufspürten, erschütterte Tierschützer auf der ganzen Welt. Denn eigentlich ist der Handel mit Elfenbein international seit Jahrzehnten geächtet. Das gilt jedenfalls, wenn es sich um frische Elefanten-Stoßzähne handelt. Doch das Verbot wird immer wieder in großem Stil umgangen. Zu begehrt ist das sogenannte weiße Gold vor allem in asiatischen Ländern.

Holger Beckmann ARD-Studio Brüssel

"Es wurden vor allen Dingen Stoßzähne in verschiedensten Größen gefunden, von jungen Elefanten, von alten Elefanten, von wirklich kapitalen Elefantenbullen", sagte nach dem spektakulären Fund Ende 2020 Arnulf Köhnke vom World Wide Fund for Nature. "Es wurden auch Instrumente gefunden - also Sägen, Fräsen und ähnliches -, die benutzt wurden, um Elfenbein zu verarbeiten, um also aus Roh-Elfenbein Schnitzereien, Perlen, Figuren und Ähnliches herzustellen."

Bis zu 1000 Euro pro Kilogramm

Fakt ist, dass Elfenbein immer noch illegal gehandelt wird und auf dem Schwarzmarkt Höchstpreise erzielt. Die Rede ist von 350 bis 1000 Euro pro Kilogramm - auch in Europa. Der Kontinent sei mit großer Wahrscheinlichkeit ein wichtiger Markt für Elfenbein, was die Wilderei unterstütze, meint David Chivall, Archäologe und Wild-Tierschützer von der Universität Oxford.

Tatsache ist, dass immer noch Jagd gemacht wird auf Elefanten mit Stoßzähnen und dass die Dickhäuter deshalb nach wie vor in ihrem Bestand ernsthaft bedroht sind. Umweltschützer prangern schon lange an: Das sei ein unhaltbarer Zustand. Gerade die Europäische Union als Gemeinschaft, die sich auch dem Schutz des Planeten und seiner Tierarten verschrieben habe, müsse deshalb mehr dagegen tun.

"Immer noch werden täglich 54  Elefanten auf der Welt getötet - wegen ihrer Stoßzähne", sagt Bert Wander von der Nicht-Regierungsorganisation Avaaz. "Wenn wir das nicht ändern, dann werden wir unseren Enkeln nur noch davon erzählen können, dass es diese wunderbaren Tiere einmal gegeben hat. Das kann niemand wollen."

Ein Zollbeamter hält ein sichergestelltes Schmuckstück aus Elfenbein in den Händen | picture alliance/dpa

Der Handel mit Produkten aus Elfenbein ist in der EU nun nur noch erlaubt, wenn die Erzeugnisse mehr als 75 Jahre alt sind. Bild: picture alliance/dpa

EU regiert auf wachsenden Druck

Auch wenn die von Wander genannte Zahl eine Schätzung ist: Der wachsende Druck von Tier- und Umweltschützern hat die EU dazu gebracht, die geltenden Elfenbeinregeln noch einmal zu verschärfen: Während Handel und Einfuhr von Stoßzahnmaterial aus der Zeit nach 1990 bereits ausnahmslos verboten sind, durfte älteres Elfenbein mit Ausnahmegenehmigungen durchaus noch auf den Markt und teilweise auch eingeführt werden. Das ist ab jetzt nur noch dann möglich, wenn Gegenstände aus Elfenbein aus der Zeit vor 1947 stammen. Bei Musikinstrumenten ist das Jahr 1975 die Altersgrenze.

Daniela Freyer von ProWildlife begrüßt die Verschärfungen. Sie sieht aber dennoch Lücken. Das Problem sei, "dass eine genaue Altersbestimmung und damit auch der Nachweis der Legalität des Elfenbeins sehr schwierig ist. Das heißt: Dies bietet enorme Möglichkeiten für Betrug und Missbrauch." Zollbehörden werden also auch in Zukunft wachsam bleiben müssen, um illegales Elfenbein in der EU aufzuspüren.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 11. Januar 2022 um 13:35 Uhr sowie Inforadio um 06:31 Uhr.