Recep Tayyip Erdogan | AP

Erdogan zum Leitzins Türkische Lira abermals auf Talfahrt

Stand: 17.11.2021 17:25 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat sich noch einmal vehement gegen seiner Ansicht nach zu hohe Zinsen ausgesprochen. Danach rutsche die türkische Währung Lira ab auf ein Rekordtief.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärter Gegner eines hohen Leitzinses ist, ist bekannt. Heute legte er in Ankara noch einmal nach - mit Blick auf die Inflation im Land. Die liegt bei rund 20 Prozent.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Erdogan mischt sich immer wieder ein

"Ich sage es klar und deutlich. Zinsen sind die Ursache und Inflation ist die Folge", so Erdogan. "Wir werden dafür sorgen, dass die Menschen von der Zinslast nicht erdrückt werden. Ich werde gegen Zinsen und die Inflation bis zum Schluss kämpfen." Erdogan äußerte sich einen Tag vor der Entscheidung der Zentralbank über die Höhe des Leitzinses. Experten erwarten, dass sie ihn weiter senkt - von jetzt 16 auf dann 15 Prozent.

Die türkische Lira hatte schon in den letzten Tagen weiter an Wert verloren, allein gestern 3,7 Prozentpunkte. Für einen Dollar bekam man bis zu 10,45 Lira. Heute ging der Kurs nach Erdogans Statement weiter nach unten. Seit Jahresanfang hat die türkische Währung knapp 30 Prozent eingebüßt.

Unabhängigkeit der Notenbank in Zweifel

Erdogan betonte erneut, die Zentralbank entscheide unabhängig. Daran zweifeln Experten allerdings massiv. Investoren seien deshalb beim Türkei-Geschäft sehr zurückhaltend, heißt es immer wieder. Erdogan kündigte heute ebenfalls an, er könne mit Befürwortern von hohen Zinsen nicht zusammenarbeiten.

Innerhalb von weniger als zwei Jahren mussten in der Türkei drei Zentralbankchefs gehen. Der aktuelle Amtsinhaber Şahap Kavcıoğlu hatte den Leitzins Ende Oktober überraschend deutlich um zwei Prozentpunkte gesenkt. Das entspricht Erdogans Vorstellungen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. November 2021 um 15:12 Uhr.