Ein Geschäft für Dijon-Senf in Frankreich | AFP

Folgen der Dürre In Frankreich wird der Senf knapp

Stand: 30.07.2022 09:10 Uhr

Frankreich leidet unter akutem Senf-Mangel. Denn die Körner für die gelbe Würze kommen längst nicht mehr aus heimischer Produktion, sondern aus Kanada - und dort gab es Ernteausfälle.

Von Julia Borutta, ARD-Studio Paris

In Frankreich, dem Land der Saucen und der Vinaigrette, gibt es kaum noch Senf. Die Supermarktregale sind vielerorts leer. Während Verschwörungstheoretiker im Netz verbreiten, der Mangel sei künstlich herbeigeführt, weil die Supermärkte den Senf absichtlich horten würden, anstatt ihn zu verkaufen, ist der eigentliche Grund so banal wie dramatisch: Frankreich bezieht 80 Prozent seines Produktionsbedarfs an Senfkörnern aus Kanada. Dort aber herrschte im vergangenen Jahr eine schwere Dürre. Die Folge: eine miserable Senfernte.

Julia Borutta ARD-Studio Paris

Grundnahrungsmittel Senf

In den wenigen Geschäften, in denen es noch Senf zu kaufen gibt, wird er oft rationiert - auf ein bis zwei Gläser pro Person. Auch viele Gastronomen kommen in die Bredouille. So zum Beispiel Pierre Grand-Girard in Douarnanez in der Bretagne. Er bietet in seinem Restaurant Fisch und Meeresfrüchte an und braucht den Senf für die pikante Mayonnaise, die traditionell zu den Gerichten gereicht wird. Grand-Girard rief seine Landsleute im Netz kurzerhand dazu auf, bloß nicht zu hamstern. Damit löste er eine lokale Welle der Solidarität aus: Nachbarn kamen vorbei, um ihm ihre wertvollen Senfgläschen zu schenken.

Schon ist in Frankreich die Debatte entbrannt, ob man nicht dafür sorgen müsse, dass so ein wichtiges Grundnahrungsmittel wie der Senf komplett im Land produziert wird. Die Chefin der Agrar-Gewerkschaft FNSEA, Christiane Lambert, stellte zuletzt im französischen Fernsehsender BFMTV klar, dass es aufgrund einer generellen Fehlentwicklung keine kurzfristige Lösung gebe: "Wir haben hier in Frankreich den Anbau von Senfpflanzen weitgehend aufgegeben und importieren seither aus Kanada. Jetzt herrscht dort Dürre und wir haben keinen Senf mehr. Bis wann? Bis zur nächsten Ernte."

Das Ziel: unabhängige Produktion

In Frankreich konsumiert jede Französin und jeder Franzose im Schnitt ein Kilo Senf pro Jahr, und man ist stolz auf die berühmten Senfsorten aus der Bourgogne: Mit Honig, mit Cassis, mit Estragon - es gibt den guten französischen Senf in allen Farben und Geschmacksrichtungen. Doch nun steigt auch sein Preis, und zwar um rund 14 Prozent innerhalb eines Jahres, wie das auf Marktfragen spezialisierte IRI-Institut in Chambourcy angibt.

Luc Vandermaesen, der Präsident der Senf-Vereinigung der Bourgogne, nimmt an, dass die Lage noch bis 2024 angespannt bleibt. Die wenigen noch in der Bourgogne produzierenden Senf-Bauern sehen ihre Chance und wollen ihren Senf-Anbau nun schnell steigern. "Wir wollen unsere Flächen verdreifachen, um insgesamt auf 10.000 Hektar zu kommen", sagte Fabrice Génin von der Agrar-Gewerkschaft der Zeitung "Les Echos".

Auch die verarbeitenden Betriebe scheinen in Zukunft bereit zu sein, mehr für den Rohstoff Senfkorn zu zahlen. Es deutet also alles auf eine Renaissance der so strahlend gelb blühenden Senf-Pflanze in Frankreich hin. Doch bis die eine größere Ernte abwirft, heißt es für die Französinnen und Franzosen weiter: darben.