Massenweise Container stapeln sich im Hafen von Shenzhen (Archivbild 05.03.2020) | picture alliance / newscom

Belastung für Welthandel Frachter stauen sich vor Südchina

Stand: 21.06.2021 08:59 Uhr

Im viertgrößten Hafen der Welt stauen sich die Containerschiffe. Grund ist ein Corona-Ausbruch in Shenzhen-Yantian. Der internationale Warenverkehr ist beeinträchtigt - womöglich noch bis Jahresende.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der Stau der Containerschiffe vor Südchina sei schlimmer als die Blockade des Suezkanals im März, so fasste es Vincent Clerc, Manager der dänischen Reederei Maersk, bei einem Gespräch mit Journalisten Mitte Juni zusammen. Zeitweise lagen etwa 130 Containerschiffe aus aller Welt vor dem Hafen von Shenzhen-Yantian vor Anker, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Wochenlange Folgen für Welthandel

Der Grund für den Stau ist ein neuer - wenn auch kleiner - Corona-Ausbruch im südchinesischen Landesteil Guangdong, in dem Shenzhen liegt. Weil die Behörden vor Ort anordneten, den Hafen von Shenzhen coronabedingt teilweise zu schließen, konnten Schiffe nicht an- und ablegen. Lieferketten weltweit sind aus dem Takt geraten.

Auch deutsche Firmen in der Region Guangdong berichten von teils überfüllten Warenhäusern. Inzwischen normalisiere sich Lage in Guangdong zwar, doch bis sich der Rückstau ganz aufgelöst hat, dürften noch Wochen vergehen, schätzt Nick Marro, Analyst für den Bereich Welthandel bei der Economist Intelligence Unit (EIU) in Hongkong. Der Rückstau werde sich also noch wochenlang durch die weltweiten Lieferketten ziehen.

Stau im viertgrößten Hafen der Welt

Shenzhen-Yantian ist der viertgrößte Containerhafen der Welt; vergangenes Jahr wurden dort mehr als 27 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Zum Vergleich: In Hamburg waren es 2020 weniger als neun Millionen Container, also etwa ein Drittel davon.

Vor allem für die Tech- und Elektronikbranche sind die Logistik-Verzögerungen ein Problem: Etwa 90 Prozent aller Elektronikexporte aus China laufen über den Hafen von Shenzhen-Yantian. Analyst Nick Marro rechnet damit, dass die Lage angespannt bleiben wird, angesichts der weltweiten Öffnungen nach dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie.

Entspannung wohl erst zum Jahresende

"Ein Ende der weltweiten Verbrauchernachfrage nach Waren und Produkten ist nicht zu erkennen. In vielen westlichen Staaten werden üblicherweise im dritten Jahresquartal die Lager aufgefüllt, das sorgt weiter für große Handelsaktivität", sagt Marro. "Das lässt vermuten, dass sich die Spannungen in der weltweiten Logistik und an den Häfen erst im vierten Quartal des Jahres entspannen."

In China wird über den Containerschiffsstau vor dem Hafen von Shenzhen-Yantian so gut wie gar nicht berichtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2021 um 05:40 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 21.06.2021 • 16:56 Uhr

15:13 von Miauzi

«Natürlich könnte man auch langlebig - auch China oder Japan könnte dies - die Auftraggeber wollen dies jedoch nicht!» Wer sollen die Auftraggeber sein, die großen Konzernen in China oder Japan vorschreiben, wie sie Produkte mit welcher Wertigkeit und potentieller Lebensdauer herstellen sollen? Japan ist schon mal gar kein "Billiglohnland", in das irgendwer Produktion "outsourced", damit die Herstellungskosten sinken mögen. Huawei in China produziert ihrem Kram so, wie sie das für richtig und wichtig halten. Mein TV-Gerät ist von SONY. Gekauft 2006 zur Fußball-WM. Taufrisch und tiptop wie am ersten Tag. Mein Foto-Equipment ist komplett von Nikon. Die Kamera F3 mit allen Objektiven macht noch in 100 Jahren Fotos ohne Probleme. Das nun Digitale Gegenstück der gleichen Firma hat noch nie Mucken gemacht. So lange ich Computer habe, waren alle von Apple. No problems never. 1x Bilschirm vom Laptop zerdepperte ich mir an der Tischkante. My fault. Obszoleszenz haust nicht everywhere.